Ein "Vorsorgepaket" gegen Handystrahlung
Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin [Grüne] will Gesundheitsrisiken, die von Mobilfunkstrahlen ausgehen können, mit einer Reihe von Vorsorgemaßnahmen verringern und Kommunen in die Entscheidung über die Standorte von Sendemasten einbeziehen.
"Zwar gewährleisten die geltenden Grenzwerte den Schutz der Bevölkerung vor nachgewiesenen Gesundheitsgefahren. Wir überprüfen aber, ob wir zusätzliche Vorsorgewerte nach dem Schweizer Modell ergänzend einführen", sagte Trittin der "Welt am Sonntag".
Das Umweltministerium verwies darauf, dass die Entscheidung dazu noch nicht gefallen ist, weil eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission noch in Arbeit sei.
Deutsche Grüne wollen Grenzwerte senkenWarnhinweise
Nach einem Bericht der "tageszeitung" plädieren die Grünen zudem für einen Warnhinweis auf Mobiltelefonen, wonach Jugendliche unter 16 Jahren nicht mit Handys telefonieren sollten. Grund ist dem Bericht zufolge "ein erhöhtes Blutkrebsrisiko".
Die "taz" zitierte aus einem Arbeitspapier der Grünen-Bundestagsfraktion, worin der Abgeordnete Winfried Hermann vorschlägt, den Grenzwert für das erlaubte elektrische Feld in Nähe von Sendemasten um den Faktor zehn zu senken, bei Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern aus Vorsorgegründen gar um den Faktor 30.
"Kinder, die sehr viel telefonieren, bekommen drei Mal häufiger Blutkrebs", sagte Hermann der Zeitung unter Hinweis auf eine britische Studie.
In Großbritannien gibt es schon seit geraumer Zeit entsprechende Warnhinweise auf Handys:
Warnhinweise auf Handys in GBMitspracherecht
Zu dem vom Umweltministerium geplanten Vorsorgepaket gehört, dass Städte und Gemeinden frühzeitig von den Netzbetreibern über die Planung zu den Standorten von Sendeanlagen informiert werden müssen.
"Das Aufstellen von Mobilfunkmasten ohne Beteiligung der Kommunen muss ein Ende haben", erklärte Trittin am Sonntag anlässlich der gemeinsamen Anhörung des Umwelt-, Gesundheits- und Wirtschafstsausschusses des Bundestages zum Thema Mobilfunk in der kommenden Woche.
Die Unternehmen sollen demnach alle möglichen Standortalternativen offen legen. Zudem sollen Kommunen bei kleinen Sendeanlagen das Recht haben, selbst Alternativstandorte vorschlagen zu können. "Werden Städte und Gemeinden frühzeitig an der Entscheidung beteiligt, wächst auch die Akzeptanz der Bevölkerung", sagte der Umweltminister der "Welt am Sonntag".
Forschungsmittel
Die Forschungsmittel zum Strahlenschutz werden unterdessen dem Ministerium zufolge auf insgesamt rund 8,5 Millionen Euro bis zum Jahr 2005 verdoppelt.
Es soll unter anderem untersucht werden, ob elektromagnetische Felder zu Krebserkrankungen oder Schlaf- und Konzentrationsstörungen führen können.
