Es fliegen virtuelle Pflastersteine
Die Sorge vor gewalttätigen Ausschreitungen beim heute beginnenden Weltwirtschaftsforum [WEF] in Salzburg treibt seltsame Stilblüten. AFP warnt in einem Agenturbericht vor Krawallmachern, die besonders gefährlich sind, denn - wir zitieren im Original:
"Die Globalisierungsgegner haben für sich das Internet entdeckt. Per 'Links' schließen sie ihre diversen Sites zu einer gemeinsamen Front zusammen und drohen mit dem virtuellen Pflasterstein. Die Stimmung steht eindeutig auf Konfrontation.
'Das Internet ist für uns sehr wichtig, denn es kostet uns fast nichts', versichert eine Vertreterin der schwedischen Sektion der 'Antifaschistischen Aktion' [Afa]. Sie hatte ebenso wie zahlreiche weitere Anhänger an den Krawallen in Göteborg teilgenommen, bei denen drei Demonstranten angeschossen, Dutzende verletzt wurden und das Stadtzentrum einem Schlachtfeld glich.
Die Ausschreitungen überschatteten die vorherige friedliche Demonstration von 14.000 Globalisierungsgegnern und deren nachdenklichen Parolen.
Afa zeigt auf ihrer Seite das Foto von einem Demonstranten, der auf den Rücken eines Polizisten einprügelt. Zwar ruft die Organisation nicht ausdrücklich zur Gewalt auf. Doch nach den Worten ihrer Vertreterin - die ausdrücklich nicht genannt werden will - gelten Sabotage und Konfrontation durchaus als 'politische Mittel'. "Die Politiker sträuben sich nun einmal dagegen, ihre Macht abzugeben. Da muss man dann schon nachhelfen', verteidigt sie sich, um gleichzeitig aber einzuräumen: 'Die politische Lage ist noch nicht reif für Revolutionen'.
Globale Intifada
Mit Hilfe von Hinweisen auf andere Sites wollen sich die radikalen 'Anarchisten' zu einer gemeinsamen Front zusammenschließen. Dabei treffen sich dann so verschiedene Grüppchen wie die 'globale Intifada', die 'Volksmacht' und eine 'unabhängige' britische Vereinigung 'Urban75', die sich gleichzeitig gegen die Globalisierung der Wirtschaft, gegen die Zucht von Pelztieren und für den richtigen Gebrauch von Drogen einsetzt.
In einem Computerspiel können virtuelle Pflastersteine gegen die Logos von internationalen Konzernen geschleudert werden. In einem anderen fungieren Staatschefs und andere Sinnbilder für die 'Macht des Großkapitals' als Punchingballs. Zu ihnen zählt sonderbarerweise auch der britische Fußballstar David Beckham.
So unterschiedlich diese Gruppen und ihre Sites auch sind - einen gemeinsamen Nenner haben sie: Ihre Anonymität. 'Wir müssen uns vor den polizeilichen Erkennungsmethoden und der Bedrohung durch Neonazis schützen', verteidigt sich die Afa-Vertreterin. So bleibt auch unbekannt, wer hinter dem Versprechen steht, sich für die polizeiliche Gewalt in Göteborg zu rächen. In einer weiteren anonymen Drohung heißt es etwas kryptisch: 'Das letzte Tabu ist gefallen. Ab jetzt spielen wir mit denselben Karten. Der Einsatz ist allerdings gestiegen: Was beim [G-8-Gipfel im Juli] in Genua passiert, kann niemand vorhersagen'." Weitere Informationen im Internet unter
www.antiwef.org/
