Der Wert des Privaten
Es soll ja Menschen geben, die online bereitwillig preisgeben, wie viele Badehosen sie besitzen, ob sie Broccoli mögen oder welche Partei sie vorhaben zu wählen.
Vieles was wir im Internet bedenkenlos beantworten, würde wir offline als unverschämt empfinden. Wobei vielen Leuten diese anderen Maßstäbe, nicht einmal wirklich bewußt sind, meint der Techniksoziologe Johann Cas, vom Institut für Technikfolgenabschätzung in Wien.
Das Grundrecht auf Privatsphäre wird sowohl von staatlichen Stellen, wie auch von kommerziellen Anbietern immer häufiger in Frage gestellt, so der Techniksoziologe Walter Peissl. Die gesellschaftlichen Grundlagen für Privatheit sollen im "Forschungsprogramm Privacy" deshalb genau untersucht werden.
Walter Peissl im Interview
"Wenn man es nicht diskutiert, dann wird die Wertigkeit der Privatheit im analogen Leben - im digitalen Leben nicht abgebildet werden, dann gehen wir dieser Werte verlustig. An diesem Scheideweg stehen wir."
Informationelle Selbstbestimmung
Wem die Verringerung seines Datenschattens etwas wert ist - muss dafür bezahlen. In Form von Zeit und Geld. Oder umgekehrt ausgedrückt: Die Nutzung von Diensten im Internet, bezahlen die User mit der Preisgabe persönlicher Daten. Das ist der Handel.
Da die Wege von Daten intransparent sind, ist die beste Strategie sicher jene der Datenvermeidung, so die beiden Autoren der "Privacy Studie". Verschlüsselung, Anonymität, Pseudonyme und die bewusste Technologienutzung sind aber nur eine Seite der Medaille.
Vor allem die Systemgestalter müssten die "informationelle Selbstbestimmung" für Konsumenten stärker berücksichtigen. Denn angesichts der Aussicht, dass bald viele Objekte des alltäglichen Lebens vernetzt und mit Sensoren, Chips und Webzugang ausgestattet sind - greift die Aufforderung zum Selbstschutz zu kurz. Dass sich jeder individuell "bewaffnen" muss, um seine Privatheit zu schützen, kann nicht das Ziel sein. Deshalb sei die Politik gefordert, so Walter Peissl.
Beeinträchtigungen der Privatsphäre in Österreich
In welchen Datensammlungen findet sich ein
"Durchschnittsösterreicher" in den verschiedenen Lebensabschnitten
wieder? Die Annahmen reichen von hundert bis zu mehreren hundert
Datenbanken. Nach Einschätzung der ARGE Datengibt es rund 3,2
Milliarden personenbezogene Datensätze in Österreich. Denn Ende 1998
wurden in Österreich rund 320.000 Datenverarbeitungen registriert.
Als Untergrenze werden für diese Berechnung rund 10.000 Betroffene
pro Datenverarbeitung angenommen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung
von etwa 8 Millionen werden von einem "Durchscnittsösterreicher"
somit etwa 400 Datensätze angelegt.
Datensammlungen über ÖsterreicherInnen
Institut für TechnikfolgenabschätzungHeute um 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Im zweiten Beitrag wirft matrix einen Seitenblick auf die
Pink-Slip Party in Wien, die letzten Mittwoch im Semper-Depot
stattfand.In lockerer Atmosphäre trafen da pink beslippte
Arbeitssuchende auf Jobanbieter mit weißen Kärtchen. Der Pink Slip
ist das amerikanische Äquivalent zu unserem blauen Brief. In der New
Economy muss man bei einer Kündigung nicht verzweifeln, es findet
sich rasch eine neue Einkommensquelle. Und weil eben heute alles
easy going ist, sucht man den neuen Job bei einem hippen Free Drink
mit hippen Leuten in einem hippen Ambiente. Die Pink Slip Partys
nach Österreich brachte IBM-Pressedame Natascha Rubia, die als
Gastgeberin ganz in pink erschien.
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