Die "Weltmaschine" wird virtuell
Eine der skurrilsten und zugleich bemerkenswertesten Wunderkammern der Moderne steht in Kaag in der Oststeiermark: "Gsellmanns Weltmaschine" ist ein buntes Konglomerat aus sich bewegenden, tönenden und blinkenden Teilen.
Ihr Erbauer, Franz Gsellmann, ist vor 20 Jahren gestorben. Anlässlich des Todestages gibt es am kommenden Montag [2. Juli] neben einer Gedenkveranstaltung auch die Präsentation einer eigenen Homepage.
Franz Gsellmann, ein 1910 geborener Kleinbauer und gläubiger Mensch, war fasziniert von Maschinen und Technik. 1958 unternahm er seine erste Reise: Zum Atomium nach Brüssel, das er zum gestalterischen Vorbild für seine eigene "Wundermaschine" nahm, an der er 23 Jahre bauen sollte. Heute ist der Enkel des Erbauers, Franz Gsellmann, Besitzer und Vermarkter der Maschine, und zwar mit sehr bescheidener öffentlicher Unterstützung.
Monströses Gewirr
Entstanden ist mit der Zeit ein monströses Gewirr aus bunten Rohren, Zahnrädern, Draht, Gittern, Rädern, Küchenmaschinen, Kruzifixen, Madonnendarstellungen, Lustern und Uhren. Es wird von über zwanzig Motoren bewegt und ist grell bunt bemalt.
Setzt man die Weltmaschine in Bewegung, blinken Lampen und ein Blaulicht, es dreht und bewegt sich Vieles, Manches sehr schnell, und knatternd dröhnende, manchmal schrille, dann wieder blecherne, glockenähnliche Töne und Geräusche erfüllen den Raum.
Kaum jemand konnte zunächst mit dem Ungetüm etwas anfangen. Auf die Frage nach dem Zweck meinte Gsellmann: "Für irgendetwas wird's schon gut sein."
Ob sie jemals etwas produzieren werde, wollten zu seinen Lebzeiten Journalisten wissen. Heute weiß man es - sie "produziert" Besucher, rund 10.000 im Jahr, die über "die Maschin' " staunen oder lächeln können. Manche bezeichnen Gsellmanns Werk als Denkmal eines "homo ludens", andere sehen darin eine Metapher für Technikgläubigkeit, die sich von selbst - durch ihre Nutzlosigkeit - in sympathischer Weise ad absurdum führt.
Die offizielle Website zu Gsellmanns Weltmaschine enthält neben ausführlichen Informationen zu Gsellmanns Leben auch Auszüge aus Interviews mit ihm sowie Texte über ihn, die der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth verfasst hat. Ein besonders beeindruckendes Feature der Flash-basierten Website ist eine schematische Darstellung der Weltmaschine, die es dem User erlaubt, die Bestandteile der Maschine einzeln anzusehen.
Weltmaschine.atGsellmanns Weltmaschine Kaag 12 8332 Edelsbach bei Feldbach Tel. (+43) 03115/2983 Mi-Mo 9.00-18.00 Uhr Eintritt gegen freiwillige Spende
