26.06.2001

COLLATERAL

Bildquelle: PhotoDisc

Handys, Menschen- und Affenleben

Der extrem unübersichtliche und blutige Bürgerkrieg im Kongo, der für die Kriegsparteien schon lange zum Selbstzweck geworden ist, wird seit letztem Jahr nicht mehr in erster Linie um die Gold- und Diamantenvorkommen des Landes geführt und gleichzeitig finanziert, sondern von einem Rohstoff für die Informationsgesellschaft.

Tantal [Ta] ist ein rares Metall, das für bestimmte Komponenten wie Kondensatoren gebraucht wird und dessen Nachfrage vor allem durch den Handyboom im letzten Jahr explodiert ist.

Die Rolle des "Handy-Rohstoffs" im Bürgerkrieg stieß allerdings bisher kaum auf Interesse in den Industrieländern.

Das dürfte sich jetzt allerdings ändern, da Tierschützer durch den Rohstoffabbau auch eine Gefahr für "Gorillas, Schimpansen und andere vom Aussterben bedrohte Tiere" ausgemacht haben.

Tierschützer schlagen Alarm

Nach einem Bericht des "Diane Fossey Gorilla Fund" in London hat die Suche nach Coltan verheerende Folgen für bedrohte Tierarten im Kongo.

Mediales Interesse erwacht

Die heutige Warnung der Tierschützer traf im Gegensatz zu den Zusammenhängen zwischen der Handyproduktion und dem Bürgerkrieg im Kongo prompt auf ein gewaltiges mediales Echo.

Sämtliche Nachrichtenagenturen und wichtige Multiplikatoren-Medien wie der "Industry Standard" griffen die Meldung bereits auf, sodass sie in den nächsten Tagen in zahlreichen Zeitungen und TV-Programmen ihren Niederschlag finden sollte.

Kriegswirtschaft in Gefahr

Die Tierschutzorganisation "Pro Wildlife" in München rief heute schon die deutsche High-Tech-Industrie zu einem Boykott von Coltan aus der Republik Kongo auf.

Das plötzlich gewaltige Medieninteresse könnte bei den Handyherstellern tatsächlich eine strenge Kontrolle der Herkunft ihrer Rohstoffe bewirken.

Das hätte allerdings auch drastische Auswirkungen auf die Kriegswirtschaft im Kongo und könnte sogar zu einem Abflauen der Kampfhandlungen mangels Finanzierung führen.

Unabhängige Beobachter gehen davon aus, dass der Krieg für die meisten Kämpfer inzwischen zur einzigen Aufgabe und damit zum Selbstzweck geworden ist. Die Förderung und der Verkauf des begehrten Tantalums zeigt diesen Zustand deutlich an: Die Exportfirma "Somigl", die vom lokalen Ankauf bis zum internationalen Verkauf den Markt kontrolliert, gehört zwar zu 75 Prozent der größten Rebellengruppe RCD [Kongolesische Sammlung für Demokratie], handelt aber auch mit Tantalum aus Gebieten, die von der Regierung kontrolliert werden.