26.06.2001

NEUE LAGE

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Libro-Ausgleich wahrscheinlich

Bei der insolvenzbedrohten Buch- und Medienhandelskette Libro scheint ein Ausgleich kaum mehr abwendbar.

Schon gestern Abend hatte ein maßgeblicher Banker gegenüber der Austria Presse Agentur die Chancen auf eine außergerichtliche Lösung - etwa mit dem Böhm/Hofmann-Konsortium - nur mehr auf 30 bis 40 Prozent beziffert.

Heute verdichteten sich die Gerüchte, dass nur mehr an der Art der Abwicklung des Ausgleichs gebastelt werde. Beim Bankengipfel morgen Nachmittag dürfte eine Entscheidung dazu fallen.

Banken wollen Oberhand behalten

Dabei dürfte es zunächst einmal einen Kapitalschnitt auf null geben. Die Banken würden in dieser Variante aber dann im Ausgleich weiter finanzieren, hätten selbst das Sagen und könnten ohne zeitlichen Druck die angeschlagene Libro-Gruppe bzw. Teile davon entschuldet weiter veräußern. Als potenzielle Käufer nach dem Ausgleich werden in der Branche derzeit Bertelsmann und Styria ins Spiel gebracht.

"Was sich derzeit abspielt, ist eine Farce, die Banken haben sich schon längst entschieden", so ein Beteiligter. Das Konsortium Böhm/Hofmann habe kaum mehr Chancen, auch wenn der von den Banken geforderte Kapitalnachweis bis morgen vorgelegt werde.

"Insolvenz verhindern"

Der Insolvenzspezialist im Kreditschutzverband von 1870 [KSV], Hans-Georg Kantner, appellierte an alle Beteiligten, alles zu unternehmen, um eine gerichtliche Insolvenz und damit den größten Schaden für die angeschlagene Handelskette Libro zu verhindern. Zu einer möglichen Auffanglösung durch die Gläubigerbanken meinte Kantner heute am Rande einer Pressekonferenz, die Banken sollten ihre eigenen Geschäfte machen und nicht Firmen übernehmen.

Finanzierungsnachweis kommt trotzdem

Das Böhm/Hofmann-Konsortium will trotz des wahrscheinlichen Ausgleichs bis spätestens morgen, 17.00 Uhr, den Gläubigerbanken den Nachweis über die Zusammensetzung des Konsortiums, die innerhalb des Konsortiums vereinbarten Anteilsverteilungen sowie das durch die einzelnen Konsortialmitglieder und Finanzinvestoren einzubringende Kapital vorlegen.

Dabei soll der Name des Kapitalgebers bzw. Konsortialmitgliedes, die Höhe der von ihm im Zuge der Gesamtfinanzierung eingebrachten Mittel unter Angabe der Fristigkeit sowie die Höhe der gehaltenen Anteile offen gelegt werden.

Damit glaubt das Konsortium nach eigenen Angaben, den Forderungen der Banken nach einem Kapitalnachweis für die Sanierung von Libro zu genügen.