17.06.2001

TANTE JUTTA

Bildquelle: zazie.at

Über die Feindschaft im IT-Zeitalter

Machen wir uns nichts vor und versuchen wir erst gar nicht, die Dinge schön zu reden: Es ist Feindschaft gesetzt, Feindschaft zwischen Technik und User.

Genährt wird sie täglich auf's Neue durch ein profundes und wechselseitiges Nichtverständnis, dessen Ursachen tief in den Strukturen verankert sind.

Differierende Perspektiven

Weil Technik und User also auf zwei verschiedenen Seiten der Barrikade stehen, erscheinen den Parteien alle Transaktionen jeweils seitenverkehrt.

In der Zoologie bedeutet eine Konstellation, in der die Perspektiven um 180 Grad differieren, dass zwei Tiere im Begriff sind, übereinander herzufallen.

Nicht etwa, weil man Verschiedenes vorhat, sondern ziemlich genau das Selbe: Den anderen zu vertreiben, oder zu töten und vielleicht auch zu fressen.

"Der Computer geht nicht"

Typischerweise beginnt es damit, dass er User nicht ganz ohne Emotionen sagt: "Der Computer geht nicht", womit der Konflikt bereits eingeleitet ist, denn derlei Aussagen kann ein Techniker keinesfalls akzeptieren.

"Was geht nicht?" antwortet er tückisch.

Kommt dann statt einer genauen Fehlerbeschreibung die Replik "Der Computer" wird daraus eine Angelegenheit, die weithin zu hören ist.

Chefs als User betrachtet

Dabei ist der Aussagesatz, mit dem alles begonnen hat, dem Techniker keineswegs ungeläufig. Er verwendet ihn selbst oft genug, nur bei völlig anderer Gelegenheit.

Wenn eine Gruppe von Usern in ihrer Erscheinungsform als CEOs, Marketingleiter oder Sales Manager - kurz solche, die große Pläne wälzen, in welche die Technik naturgemäß involviert ist - einander lange genug versichert haben, wie großartig das neue Megaprojekt in die Gesamtstrategie von Triple-Win-Situationen passe, meldet sich die Technik zu Wort