"The medium is not the message"
Seit Marshall McLuhan in den 60er Jahren den Leitspruch "The medium is the message" in die Welt setzte, kommt sie von diesem nicht mehr von los.
Was wurde nicht schon alles in den Mc Luhan'schen Satz hineininterpretiert, allerdings ist "The medium is the message' auch ein Orakelspruch, der zu vielseitigen Deutungen Anlass gibt.
Auch der russische Kunsttheoretiker Boris Groys, seit 1994 Professor für Philosophie und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und seit Ende letzten Jahres Rektor der Akademie der Bildenden Künste in Wien, hat sich in die Reihe der McLuhan-Exegeten eingefunden.
Was ist das Medium aller Medien, das alle anderen trägt?
"Wenn das Medium zur Message geworden ist, dann ist es kein
Medium mehr. Dann fragt man sich, welches Medium trägt diese
Botschaft, zu der ja dieses erste Medium geworden ist und so weiter
und so fort. Ich denke, dass McLuhan, der ja wie wir wissen doch ein
gläubiger Katholik war, diese Frage offen lässt. Und das ist
sozusagen der wunde Punkt oder die leere Stelle in seiner Theorie.
Ich stelle ich mir deswegen die Frage, wie kann man über das Medium
so sprechen, dass es sich nicht in die Botschaft verflüchtigt,
sondern dass das Medium in Entwicklung bleibt, thematisiert wird
aber gleichzeitig nicht restlos zur Botschaft wird."
Boris GroysDer submediale Raum
Wenn wir uns fragen, was passiert eigentlich hinter dem Fernsehbild, dann ist es nicht nur das Fernsehgerät, sondern ein ganzes kulturelles, soziales und technisches System, so Boris Groys.
Diesen für uns "verborgenen Medienträger" nennt Boris Groys den submedialen Raum. Seine zentrale Frage lautet: Wie gehen wir damit um?
Wir haben es im Grunde nur mit einem Verdacht zu tun, so seine vorläufige Antwort. Einem Verdacht, der nicht zufällig ist und eine lange Vorgeschichte der Verdächtigungen verschiedener Art hat. Und so ist seine Untersuchung nicht die Untersuchung dessen, was tatsächlich hinter der medialen Oberfläche geschieht, sondern vielmehr die Untersuchung unserer Reaktion auf die Vermutung.
Aus: Boris Groys "Unter Verdacht"
"Alles, was uns die mediale Oberfläche zeigt, steht automatisch
unter Verdacht. Dabei ist dieser Verdacht keine 'subjektive
Einstellung' des Betrachters, die willentlich verändert werden
könnte, sondern für den Akt der Betrachtung als solchen konstitutiv:
Wir können nicht betrachten, ohne zu verdächtigen. Der Verdacht
schreibt ständig alte Zeichen auf neue Medien um - deswegen ist der
Verdacht das Medium aller anderen Medien."
Unter Verdacht. Eine Phänomenologie der Medien.Boris Groys gibt sich als Detektiv, der McLuhan unter die üblichen Verdächtigen reiht und versucht, die falschen Fragen der Medientheorie und auch die unzureichenden Antworten aufzudecken. Warum ihn die gegenwärtige Netzkunst unbeeindruckt lässt, warum Kunst im Netz nicht subversiv sein kann und worin der Vorteil des neuen Mediums Computer für Kunst und Kultur besteht - erklärte der Rektor der Akademie der Bildenden Künste in m@trix.
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