Kampf der MP3-Nachfolger
Nachdem vorgestern die Firma Coding Technologies die erste Beta-Version ihres MP3-Nachfolgers "mp3PRO" zum Download zur Verfügung gestellt hat, kommt morgen die erste Version des lizenzfreien Audio-Codesc "Ogg Vorbis" mit der Nummer "1.0", die eine gewisse Ausgereiftheit erwarten läßt.
Der Hauptunterschied zwischen den potentiellen MP3-Erben, die beide eine bessere Tonqualität bieten wollen, besteht in den Eigentumsverhältnissen:
Während Coding Technologies seine Software für den Unterhaltungselektronik-Konzern Thomson Multimedia entwickelt, der zusammen mit dem Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen [IIS-A] die grundlegenden MP3-Patente hält, ist Ogg Vorbis ein [Lizenz]-freies Format und soll dies auch bleiben.
Initiiert von Christopher Montgomery haben bereits vor einigen Jahren die Vorarbeiten zu Ogg Vorbis begonnen, inzwischen wird das Projekt von der Non-Profit-Foundation "Xiph-Foundation" betrieben, die die Unabhängigkeit des Audio-Codecs garantieren soll.
Der Ogg Vorbis "Decoder 1.0 release candidate 1" [1.0rc1] soll morgen auf der Vorbis-Site zur Verfügung gestellt werden. Dem Namen nach noch eine Beta-Version, betrachten die Entwickler 1.0rc1 eigentlich als fertiggestellt.
Freies MP3-Musikformat kommtNicht frei
Auslöser für das Ogg Vorbis-Projekt waren die teils beachtlichen Lizenzgebühren für die Verwendung des MP3-Standards.
"Die Leute glauben, MP3 sei frei. Doch das ist ein Irrtum.", kommentierte Jack Moffitt, der das Projekt eine zeitlang koordinierte koordinierte.
Die meisten Patente am MP3-Verfahren hält das deutsche Fraunhofer-Institut. Die Rechte daran werden von Thomson Multimedia vermarktet. MP3-Musikunternehmen müssen danach ein Prozent des Preises für einen MP3-Download abführen, zumindest aber 15.000 Dollar.
Für MP3-Hardware fallen 50 Cents pro Geräte-Einheit an, ebenso 15.000 Dollar Minimum. Für jeden MP3-Encoder zur Herstellung von MP3-Dateien gehen fünf Dollar an Thomson Multimedia.
VorbisNeue Lizenz-Version
Die Firma Coding Technologies bietet seit letzter Woche auf ihrer Site die erste Version ihres abwärtskompatiblen MP3-Nachfolgers zum Download an.
"mp3PRO" soll bei kleineren Dateigrößen eine gegenüber dem Vorgängerformat deutlich bessere Tonqualität bringen.
Mit dem neuen Audio-Codec könnten auch hohe Frequenzbereiche in mp3-Dateien übertragen und abgespielt werden, teilte die in Nürnberg und Stockholm ansässige Firma anläßlich der ersten Version mit mit.
Bisher steht nur eine Windows-Version zur Verfügung, im Lauf des Sommer sollen aber auch Versionen für Mac und Linux folgen. Das Unternehmen entstand aus der Kooperation einer auf Audiokompression spezialisierten schwedischen Firma und eines Spin-offs des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen.
Coding Technologies
