15.06.2001

VERSTECKT

Bildquelle: APA

McVeigh-Video ist ein Trojaner

Im Netz ist eine "Videodatei" aufgetaucht, die angeblich die Hinrichtung des Oklahoma-Attentäters Timothy McVeigh zeigt.

In Wirklichkeit verschafft die Datei über eine Hintertür indirekt Zugang zu den Computern, auf denen das vermeintliche Exekutions-Video geöffnet wird, teilten Sicherheitsexperten mit.

Die Datei ist ein so genanntes Trojanisches Pferd, das beim Herunterladen einer Datei ein ganz anderes, gefährliches Programm in den Computer einschleust. Die Datei ist kurz nach McVeighs Hinrichtung am Montag auf einer Website aufgetaucht, die inzwischen vom Netz genommen worden sei.

Trojaner bauen Hintertür

"Solche Trojaner verschaffen Crackern vollen Zugang, ohne dass der Computer-Nutzer das überhaupt merkt", sagte Steve Gottwals, Marketing-Chef bei F-Secure. Cracker könnten im Extremfall durch das eingesetzte Programm - SubSeven - selbst in Computer eingebaute Mikrofone und Kameras starten und so den Nutzer belauschen und beobachten.

Als Startpunkt für DOS-Attacken

Oft werden Trojaner aber genutzt, um von den infizierten Computern aus andere Rechner anzugreifen. So werden auf einen entsprechenden Befehl hin beispielsweise massenhaft Anfragen an einzelne Websites gerichtet, die dadurch lahm gelegt werden.

Durch die vergleichsweise kurze Online-Zeit der Website sei die Zahl der geschädigten Computer wahrscheinlich relativ gering, hieß es weiter. Die genaue Zahl sei aber nicht festzustellen. Auch sei der gefundene Trojaner "SubSeven" bekannt, so dass aktualisierte Anti-Viren-Programme ihn aufspüren müssten.

Keine Übertragung der Hinrichtung

In den USA hatte es vor der Hinrichtung McVeighs Diskussionen darüber gegeben, ob der Tod des Bombenlegers im Internet und Fernsehen übertragen werden darf. Die Behörden hatten dies schließlich verboten.

Etwa 300 Überlebende und Angehörige von Opfern des Bombenattentat verfolgten aber am Bildschirm in Oklahoma die Hinrichtung, die aus dem Staatsgefängnis im Bundesstaat Indiana übertragen wurde. Bei McVeighs Attentat auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City waren vor sechs Jahren 168 Menschen getötet und 500 verletzt worden. McVeigh starb durch eine Giftspritze.