13.06.2001

CASH NOWHERE

Bildquelle: is

Intershop auf dem absteigenden Ast

Intershop erwartet nach eigenen Angaben im laufenden Geschäftsjahr ein [noch] schlechteres Ergebnis als im Vorjahr.

Zugleich halte das Unternehmen aber am Ziel fest, auf Quartalsbasis bis zum Jahresende die Gewinnschwelle zu erreichen, sagte der für das operative Geschäft zuständige Intershop-Vorstand Wilfried Beeck heute auf der Hauptversammlung in Hamburg.

"Selbstüberschätzung"

Intershop-Aktionäre haben den Vorstand unterdessen für den Kursverlust ihrer Aktien verantwortlich gemacht.

Aktionärsvertreter sagten auf der Hauptversammlung, der Vorstand habe die Firma durch Selbstüberschätzung und Realitätsferne an den Abgrund geführt.

Der Hamburger Rechtsanwalt Jens-Uwe Nölle, der auf der Hauptversammlung für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz [DSW] auftrat, sagte, die Aktionäre seien mit großartigen Zukunftsaussichten geködert worden.

Viele hätten nach dem Kurseinbruch zu Beginn des laufenden Jahres ihr Vermögen verloren. Nölle warf Intershop vor, durch das hohe Wachstum im vergangenen Jahr nachlässig geworden zu sein.

Das Unternehmen habe nach dem "Prinzip Hoffnung" gelebt und die Marktentwicklung falsch eingeschätzt. Zugleich sei das Unternehmen von Banken und Analysten in seinem Kurs bestärkt worden. Dieselben Analysten, die Intershop noch bei 90 Euro zum Kauf empfohlen hätten, sähen das Unternehmen nun bei einem Kurs unterhalb von vier Euro fair bewertet, sagte Nölle.

"Traumhafte Jahre"

Unternehmenschef Stephan Schambach sagte auf Aktionärsfragen, Intershop sei wegen des niedrigen Aktienkurses potenziell zwar ein Übernahmekandidat.

Mit Blick auf die Aktionärskritik sagte Schambach vor den rund 3.000 Anteilseignern weiter: "Wir alle haben geradezu traumhafte Jahre erlebt. Jahre voller Aufbruchstimmung, permanenten Wachstums, hoher Investitionen in den E-Commerce- und steigender Aktienkurse."

Bis zum vierten Quartals habe Intershop alle Erwartungen hinsichtlich Umsatzsteigerung und Ergebnis erfüllt. Der rapide Einbruch am US-Markt zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres sei jedoch nicht vorhersehbar gewesen.