Computerspiel rund um WTO-Krawalle
Wer den Tränengaseinsatz, die Gummigeschoße der Polizei und eingeschlagene Fenster bei den gewalttätigen Demonstrationen gegen die Welthandelskonferenz in Seattle "verpasst" hat, kann die Krawalle von 1999 mit Hilfe eines Videospiels bald nacherleben.
Nach Medienberichten soll das Videospiel "State Of Emergency", zu deutsch "Ausnahmezustand", im Oktober in den USA auf den Markt kommen.
Die Firma Rockstar Games, Hersteller des Videospiels, fordert die Mitspieler in der Anleitung dazu auf, "alles kleinzuschlagen", um die ATO, eine amerikanische Handelsorganisation, zu vernichten.
Rockstar GamesRohre, Ziegel, Bänke
Unter Benutzung von "Rohren, Ziegeln und Bänken, sogar zerstückelten Körperteilen" sollen die Spieler die Krawalle und Kämpfe so lange wie möglich austragen.
Es gibt Extrapunkte, wenn Autos umgeworfen und ATO-Beamte angegriffen werden.
Unruhen im Dezember 1999
Bei Demonstrationen gegen die Welthandelsorganisation WTO war es im Dezember 1999 in Seattle zu schweren Ausschreitungen und Straßenkämpfen gekommen. Dabei wurden über 500 Randalierer festgenommen. Die Höhe des Sachschadens wurde damals auf drei Millionen USD beziffert.
Ähnlichkeiten "rein zufällig"
Ein Sprecher von Rockstar Games erklärte, dass jede Ähnlichkeit zwischen dem Spiel und tatsächlichen Ereignissen "rein zufällig" sei. Das Produkt sei bereits seit September 1998 in Entwicklung gegangen, also mehr als ein Jahr vor den Straßenkrawallen von Seattle.
Allerdings lässt die lange Entwicklungsdauer des nicht unbedingt komplizierten Spiels vermuten, dass die ursprüngliche Idee etwas später gedreht wurde, um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen.
Stadt muss sauber bleiben
Der Bürgermeister von Seattle, Paul Schell, will verhindern, dass "State Of Emergency" in städtischen Gemeindezentren gespielt wird. Das Videospiel verherrliche Gewalt und verunglimpfe friedliche Demonstrationen, sagte sein Sprecher.
