High-Tech-Teddy überwacht Kinder
Die Siemens-Tochter Mobile Family Services hat zusammen mit dem GPS-Spezialisten GAP ein Service entwickelt, mit dem Eltern ihre Kinder rund um die Uhr beaufsichtigen - oder überwachen - können.
Für das "Projekt Leonie" wurden GPS-Sender und Handys in "kindgerechten" Teddys integriert. Eine Testphase von sechs Monaten mit "einer repräsentativen Auswahl von fünfzig deutschen Haushalten" wurde letzte Woche nach Angaben der Unternehmen zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten abgeschlossen.
Jetzt sollen die High-Tech-Teddys zunächst in ausgewählten deutschen Großstädten vermarktet werden.
Projekt LeonieAsymetrische Verbindung
Das Projekt besteht neben den Teddys aus einem Call-Center-Service. Anders als die Eltern, die ihre Kinder jederzeit anrufen können, haben die Kinder lediglich die Möglichkeit sich beim Call-Center zu melden. Dies geschieht einfach durch das Drücken des Sprechknopfes am Spielzeug.
Die Mitarbeiter leiten die Kinder auch nur in bestimmten, vorher definierten Fällen an die Eltern weiter, in Notfällen alarmieren sie mit genauer Ortsangabe die Polizei.
Angst und Abhängigkeit
Laut Mobile Family Services waren die Testfamilien durchgehend von den Möglichkeiten des High-Tech-Kuscheltiers begeistert:
"Ich will, dass mein Teddy mich beschützt, wenn ich Angst habe und meine Mama oder meinen Papa brauche," wird "Paul, 4 Jahre" zitiert.
Die Angst der Eltern wird dafür mit folgendem Zitat auf den Punkt gebracht: "Am liebsten würde ich meinem Sohn einen Piepser um den Hals hängen, um zu wissen, wo er nachmittags ist, wenn ich arbeite" [Claudia, Angestellte, ein Sohn].
Kritische Pädagogen betrachten die allgegenwärtige Überwachung von Kinder allerdings als "einengende Erziehung", die die Entwicklung des Selbstvertrauens behindert. Und Selbstvertrauen brauchen Kinder eigentlich, um selbstständig Gefahren begegnen zu können.
