Word-Makros gegen schlechten Stil
Das "F.A.Z.-Institut" hat ein Tool vorgestellt, das den Sprachstil und verwendete Begriffe in Texten analysiert. Der "Floskelscanner" ist eine Sammlung von Makros für Microsofts Word.
Zielgruppe des Tools sollen vor allem Unternehmen sein, die sich in ihren Geschäftsbriefen um einen kundenorientierten Stil bemühen wollen.
Mit der Funktion "Text prüfen" geht das Programm durch den gesamten Text, der gerade im Word-Bildschirm geöffnet ist, und untersucht Wort für Wort, ob es in seiner Negativliste einen entsprechenden Eintrag findet. Jeder Treffer wird farbig gekennzeichnet. Wird der Cursor über die entsprechende Stelle geführt, erscheint eine Begründung der Kritik.
FloskelscannerAnalyse
Für den guten Stil soll das Tool weit mehr als nur die verwendeten Begriffe analysieren. Die Wortlisten des Floskelscanners enthalten denn auch längere Wendungen wie "mit Interesse" und "nehmen wir wie folgt Stellung".
Im ersten Fall wird als Alternative "aufmerksam", "interessiert" oder "mit Freuden" vorgeschlagen, beim zweiten Beispiel ein schlichtes "hier unser Ergebnis".
Beanstandet wird auch jedes Wort mit der Endung -ung. Hier soll der Verfasser dem Programm zufolge prüfen, ob das Substantiv von einem Verb abgeleitet wurde.
Der Floskelscanner wird zum Preis von 100 DM [51,1 Euro] vom "F.A.Z.-Institut" in Frankfurt am Main vertrieben. Für unterschiedliche Textsorten kann der Floskelscanner mit verschiedenen Wörterlisten gestartet werden. So ist "Brutus" auf eine "klassisch traditionelle Korrespondenz" abgestimmt, während "Colour" sich um einen "progressiv emotionalen" Stil bemüht. Zwei weitere Listen mit jeweils 3.000 Einträgen enthalten Hinweise zur alten und zur neuen Rechtschreibung, wobei die Empfehlungen der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen berücksichtigt sind.
Selbstverständlich Herr Kanzler
Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder fiel bei einem Test des Stil-Tools gnadenlos durch:
In seiner Rede zur Gentechnik beanstandete der Floskelscanner unter anderem die Wendungen "selbstverständlich" und "nunmehr".
Bei "selbstverständlich" empfiehlt die Stilkontrolle dem Kanzler: "Prüfen Sie kritisch, ob Sie erwähnen müssen, dass etwas selbstverständlich ist; meist erübrigt sich dieser Hinweis, gerade weil er selbstverständlich sein sollte ..."
