Fluch und Segen der Bürgerkarte
Kritiker sehen in der Bürgerkarte eine Eintrittskarte für Datenmissbrauch. Dem kann sich Reinhard Posch, Leiter des Instituts für "Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie" an der Universität Graz und Projektbeauftragter für die Bürgerkarte in Österreich, naturgemäß nicht anschließen.
Unendlich praktisch soll unser Alltagsleben werden, wenn wir mit einer Bürgerkarte ausgestattet, durchs Leben gehen. Ab dem Frühjahr 2002 ist es soweit: Zuerst flächendeckend im Burgenland, dann in ganz Österreich kommt die Bürgerkarte.
Digitale Signatur inklusive
Amstwege für Antragsteller aller Art werden mit dem elektronischen Identitätsnachweis einfacher, verspricht Reinhard Posch.
Nicht nur in der staatlichen Verwaltung, sondern überall wo ein sogenannter "nachvollziehbarer Willensakt" mit einer persönlichen Unterschrift zu dokumentieren ist, kann die Bürgerkarte eingesetzt werden. Ob in der Privatwirtschaft zwischen Geschäftspartnern oder als Kunde beim E-Commerce. Aber auch im Medizinwesen oder bei behördlichen Gerichtsakten.
Reinhard Posch: "Sie können sich 20 unterschiedliche Signaturen besorgen, eine für das Finanzamt, eine für's Einkaufen beim Billa usw. Das ist so, wie wenn sie 15 Kugelschreiber haben, mit welchem sie unterschreiben, ändert nichts an der Gültigkeit der Signatur, trotzdem wird die Farbe anders sein."
Sicherer als PGP?
Die Bürgerkarte wird als Sozialversicherungskarte per Post zugesandt. Bei einer Registrierungsstelle - wie etwa einem Gemeindeamt, einer Bank oder der Evidenzstelle einer Universität - bekommt man die Werkzeuge für die Nutzung der elektronischen Signatur auf CD.
Bei der Zertifizierungsstelle wird der öffentliche Schlüssel registriert. Dass der private Schlüssel nicht auf der Festplatte gespeichert ist, sondern in Kombination mit einer Karte funktioniert, stellt sicher, dass der Bürger entscheidet, wann er wem und welche Informationen über sich preisgibt, so Reinhard Posch.
Sein Befund: Die Technologie der Bürgercard ist sicherer als das wohl bekannteste Verschlüsselungsprogramm "PGP".
Die Identifikation durch unverwechselbare Körpermerkmale, wie sie bei biometrischen Verfahren genutzt werden, sind für den TU- Professor keine Alternative zur elektronischen Signatur. "Es ist immer noch schwerer ein Wissen gewaltsam zu entlocken, als das Bild der Iris, des Fingerabdrucks, Handgeometrie, der Motorik oder der Sprache."

