Erstmals Prozess wegen Neonazi-Site
Erstmals wird ein Wiener Schwurgericht den Gestalter einer rechtsextremen Homepage zur Verantwortung ziehen.
Der 31-jährige Spengler, der in seiner Jugend Kontakte zu Gottfried Küssel hatte, aber nicht dessen "Volkstreuer Außerparlamentarischer Opposition" [VAPO] angehörte, sprach im WWW Gleichgesinnte an.
Auf "Michaels Homepage", wie er seine Seite nannte, wimmelte es nur so von Hakenkreuzen, SS-Emblemen und das Dritte Reich verherrlichenden Inhalten. Am Dienstag beginnt der Prozess.
Doitsche "Kammeraden"
Die bedenkliche Website fiel dem Büro für Staatsschutz auf, das
Ende 1999 Anzeige erstattete und sie sperren ließ. Der Gestalter
hatte zahlreiche Links zu anderen neonazistischen Internet-Foren -
darunter das berüchtigte "Thule-Netz" - eingebaut. Die
Rechtschreibung war dabei nicht seine große Stärke, titulierte er
doch seine Leser mit "Kammeraden".
Netz gegen RechtsVerstoß gegen Paragraf 3g
Der Mann ist zwar im Umfeld der heimischen rechtsextremen Szene bekannt, gilt aber nicht als fest verankert, wie der zuständige Staatsanwalt Karl Schober am Freitag im Gespräch mit der APA
erklärte.
Seine Bekanntschaft mit Küssel tat er im Vorverfahren als "Jugendsünde" ab.
Die Anklage legt ihm konkret den Verstoß gegen Paragraf 3g des Verbotsgesetzes zur Last. Der 31-Jährige wird sich dem Vernehmen nach geständig zeigen.
Zur Beurteilung der Frage, ob seine Aussagen den inkriminierten Tatbestand erfüllen, hat Richter Anthony Wächter ein Gutachten des anerkannten Wiener Zeithistorikers Gerhard Jagschitz eingeholt.
