15.05.2001

INTERNET PROTOKOLL

Bildquelle: ORF ON

Die schleppende Expansion des Internets

Diese Woche werden sich in Ottawa Regierungsvertreter, Unternehmer und Techniker treffen, um den weltweiten Umstieg auf die neueste Version des Internet-Protokolls, IPv6, voranzutreiben und zu koordinieren.

Das Internet-Protokoll, kurz "IP" genannt, verwaltet die Adressen aller ans Netz angeschlossenen Geräte. Diese waren bisher auf 32 Bit begrenzt, was die Zahl der möglichen Adressen auf etwa vier Milliarden einschränkte.

IPv6 bietet dagegen 250 Millionen Mal so viele mögliche Adressen an.

IPv6: Mehr Sicherheit im Netz

Darüber hinaus soll IPv6 für mehr Sicherheit im Netz und die Vereinfachung administrativer Aufgaben sorgen. Einzelne Netz-Adressen werden getrennt nach Regionen vergeben, in den USA ist dafür ARIN zuständig, in Asien APNIC und in Europa RIPE.

Bis IPv6 zum gängigen Standard wird, dürfte es aber noch einige Jahre dauern, weil viele der bisher gängigen Browser und Router mit dem neuen Protokoll nicht umgehen können. Bisher machte die Industrie aber auch keinen besonderen Druck für die Umsetzung des neuen Standards.

Das soll sich jetzt aber ändern: Cisco, dessen Router 80 Prozent des Internet-Verkehrs abwickeln, hat gestern entscheidende Integrationsschritte des IPv6 in seine IOS-Software und erstmals auch die Unterstützung des Standards durch sein Support-Center angekündigt.

Microsoft kündigt die volle Unterstützung von IPv6 durch seine Betriebssysteme für 2002 an.

Europa und Asien als Katalysatoren

Neben den Einsatz von IPv6 durch Cisco und Microsoft gibt es noch andere Katalysatoren für die Verbreitung des Protokolls, die außerhalb der USA zu finden sind: die Knappheit von IP-Adressen in Europa [17 Prozent der Internet-Adressen im Gegensatz zu 74 Prozent in den USA] und Asien [neun Prozent].

"Ohne Probleme kein Wechsel"

Schulen, Unternehmen und andere vernetzte Institutionen sind von der Dringlichkeit des Umbaus allerdings [noch] nicht zu überzeugen.

Die Umstellung jedes vernetzten Geräts auf die Unterstützung von IPv6 bedeutet für sie einen enormen Kostenaufwand, während IPv4 noch voll funktionsfähig ist.

Geoff Baehr, Venture-Capitalist bei U.S. Venture Partners und ehemals Network Officer bei Sun Microsystems, sieht die Sache so: "Die Leute sagen dass es ihre Probleme lösen wird, aber bevor die ISPs nicht mit den Problemen der Adressen-Knappheit real konfrontiert werden, wird sich nichts ändern."