"Gefährlicher als organisierte Kriminalität"
Das Innenministerium hat sich heute mit dem Thema "Cybercrime" befasst.
Rund drei Millionen Österreicher hätten bereits Zugang zum Internet, die Anonymität im "Niemandsland" locke aber auch verstärkt Kriminelle an, erklärte Innenminister Ernst Strasser [ÖVP] heute anlässlich eines Symposions zum Thema "Cybercrime" in Wien.
"Wir müssen die Menschen vor dem Missbrauch des Internets schützen", nannte Strasser das Ziel der Veranstaltung des Innenministeriums.
Cyberpolizisten & Interpol
Bereits seit fast drei Jahren gibt es bei der Exekutive eine eigene Gruppe der "Cyberpolizisten". Die Spezialisten sind Teil der internationalen "Cybercrime Unit". Via Interpol arbeiten sie mit Experten der internationalen Polizeibehörden zusammen.
Mord per Computer
Bernhard Otupal von der Abteilung Informationstechnologie und Beweissicherung des Innenministeriums wies auf die großen Gefahren durch die Kriminalität im IT-Bereich hin.
Theoretisch, so sein Szenario, könnten Hacker in das Netz einer Krankenhausapotheke eindringen und Dosierungen von Medikamenten ändern. "Die Folge: Ein Mord, bei dem der Täter kaum auszuforschen wäre."
Ein großes Problem in Österreich sei das fehlende Problembewusstsein von Providern und Nutzern, so Otupal. Oft würde kein Daten-Backup gemacht, über eine Firewall oder Datenverschlüsselungssysteme würde kaum nachgedacht.
"1 Internet-Jahr = 7 Menschenjahre"
Der raschen Entwicklung im IT-Bereich müsse auch durch geeignete Rechtsanpassung begegnet werden. Der Experte: "Ein Internet-Jahr entspricht sieben Menschenjahren." Das Rechtssystem hinke noch hinterher. So könne etwa ein Cracker, der keinen Schaden anrichtet, auch nicht verurteilt werden.
Wurstsemmel-Diebstahl und Cracker-Strafen
Staatsanwältin Risa Schuhmeister-Schmatral kritisierte, dass nur zwei Paragrafen im Strafgesetzbuch auf IT-Kriminalität anwendbar seien. Zudem sei es derzeit kaum möglich, den angerichteten Schaden - etwa durch das Versenden eines Virus - zu berechnen.
Je nach Delikt wäre bei maximal zehn Jahren Haft Schluss. Oft entspräche das Strafausmaß dem des Diebstahls einer Wurstsemmel.
"Ohne gemeinsame Schulung von Exekutive und Justiz haben wir keine Chance gegen die Internet-Kriminalität", führte die Expertin aus. Für sie ist "IT-Kriminalität gefährlicher als die organisierte Kriminalität", da die Täter anonym arbeiten könnten.
Eigene Gerichtshöfe im Kampf gegen Cracker
In Zukunft könnte sich die Staatsanwältin durchaus vorstellen, dass eigene Senate oder Gerichtshöfe im Kampf gegen IT-Kriminalität geschaffen würden.
"Agent provocateur" gegen Kinderpornos
Zur Bekämpfung der Kinderpornografie im Internet wären Gesetzesänderungen notwendig, forderte Rudolf Gross von der Abteilung Gewalt und Sexualdelikte im Innenministerium.
Die Zulassung des "Agent provocateur" und die Möglichkeit, dass Provider die Log-Files der User mindestens sechs Monate speichern müssen, könnte die Arbeit der Meldestelle für Kinderpornografie erleichtern.
