13.05.2001

IT IST GIFT

Bildquelle: FuZo

Digitale Müllhalden im Silicon Valley

Nicht nur sauber, sondern klinisch rein. Das ist das Image der kalifornischen High-Tech-Industrie und der Internet-Ökonomie. Doch - wie so oft -klaffen auch hier tiefe Gegensätze zwischen Schein und Sein.

Amerikanische Umweltgruppen wie die Silicon Valley Toxics Coalition [SVTC] sprechen bereits von einer digitalen Müllhalde. Denn auf diesem ständig wachsenden Berg landet etwa das aufwendige Verpackungsmaterial für Postsendungen, die online bestellt wurden.

Dazu kommen Millionen von ausgemusterten Computern, Monitoren und Druckern, die hochgiftige Substanzen wie Blei und Quecksilber enthalten. Kaliforniens Silicon Valley ist schon längst der Ursprungsort eines Umweltproblems, das nach Ansicht vieler Experten in Zukunft auch weltweit immer gravierender werden wird.

Serverfarmen lassen Stromverbrauch explodieren

Die zentralen Computer von Online-Diensten wie AOL und Händlern wie Amazon bilden so genannte Server-Farmen, deren Energieverbrauch oft dem einer Kleinstadt gleichkommt. Die Server-Farmen kennen keine Nachtruhezeiten und sind täglich 24 Stunden lang im Einsatz. Dazu kommen stromfressende Klimaanlagen, die dafür sorgen müssen, dass sich die empfindlichen Geräte nie überhitzen.

Die aktuelle Krise im Bundesstaat Kalifornien machte plötzlich dem ganzen Land bewusst, wie groß der Anteil der High-Tech-Firmen am Stromverbrauch des Bundesstaates mit seinen 34 Millionen Einwohnern ist.

Das Magazin "U. S. News and World Report" präsentierte jetzt präzise Statistiken: Während in der ständig wachsenden Großstadt Los Angeles der Stromkonsum in den vergangenen sieben Jahren gleich hoch blieb, stieg er im Silicon Valley seit 1994 um sechs Prozent.

Umweltschützer gegen Errichtung neuer Serverfarmen

Bis neue Kraftwerke gebaut sind, müssen sich die Unternehmen im Silicon Valley weiterhin mit einem Notbehelf gegen den Stromausfall absichern: Extrem umweltschädliche Dieselgeneratoren sind nach wie vor die populärste Lösung.

Die aktuelle Energiekrise führt nun erstmals in der Geschichte des amerikanischen High-Tech-Mekkas zu einem massiven örtlichen Protest aus Umweltschutzgründen.

Bei San Jose will das Unternehmen Dataport eine gigantische Server-Farm errichten. Der Komplex soll auf einem 60-Hektar-Gelände entstehen. Mit der Energie, die der Betrieb benötigt, könnten 150.000 Privathaushalte versorgt werden.

Der Stadtrat San Joses befürwortet das Projekt, aber Umweltschützer unter Führung der SVTC wollen notfalls gerichtlich gegen die Dataport-Baupläne vorgehen.