Schlussphase im Wettrennen um E-Paper
Das Wettrennen um die Entwicklung eines marktreifen elektronischen Papiers, also extrem flexibler und dünner Bildschirme mit dem Kontrast von Druckerzeugnissen, scheint sich seinem Ende zu nähern.
Die beiden Kontrahenten - das Massachusetts Institute of Technology [MIT] und das Xerox Palo Alto Research Center [PARC] und ihre Spin-offs - zeigen sich jeweils optimistisch, noch in diesem Jahr die ersten kommerziellen Anwendungen ihrer Forschungen präsentieren zu können.
"Erste Praxiseinsätze unseres elektronischen Papiers wird es bereits 2001 geben", ist Patrick Mazeau vom Xerox Research Center [XRCE] in Grenoble überzeugt.
In einem Show-Room kann er erste Prototypen mit der im legendären kalifornischen Forschungslabor Xerox PARC entwickelten Technologie präsentieren.
Für die Kommerzialisierung der Technologie gründete Xerox Ende vergangenen Jahres eigens die Firma Gyricon Media. Noch 2001 will die Xerox-Tochter preiswerte, leichte und vor allem Strom sparende Dokumente herstellen, die zum Beispiel als Werbeflächen und digitale Preisschilder in Supermärkten zum Einsatz kommen sollen.
Gyricon MediaDie Konkurrenz
Erst vor rund vier Wochen präsentierte allerdings auch das Unternehmen E-Ink, ein Spin-off des MIT, erstmals ein weniger als einen Millimeter dünnes, flexibles Display.
Der Prototyp ist nur knapp einen Millimeter dünn, lässt sich ähnlich wie die Xerox-Erfindung wie ein Blatt Papier zusammenrollen und kann auf einer Fläche von derzeit rund 12 mal 12 Zentimetern ein elektronisches Schwarz-Weiß-Bild anzeigen.
Die Wissenschaftler der 1997 von den MIT-Forschern Barrett Cominskey und J.D. Albert gegründeten Firma druckten insgesamt 256 kleine Transistoren auf eine dünne Kunststofffolie, über der sich eine Schicht aus Mikrokapseln befindet. Diese sind mit schwarzen und weißen Partikeln gefüllt, die sich je nach der angelegten Spannung anders in der Kapsel verteilen.
E-InkHaptische Eigenschaften
"Wir haben bewiesen, dass E-Ink in der Lage ist, mit den weltweit führenden Herstellern die nächste Generation von Displays für elektronische Geräte zu entwickeln", sagte E-Ink-Chef Jim Juliano zur Vorstellung des letzten Prototyps.
Das elektronische Papier könne künftig als Buch oder Zeitung gebunden werden oder in den verschiedensten mobilen Geräten zum Einsatz kommen.
Das Medium soll sich laut Juliano fast wie Papier anfühlen und beim Leser den Eindruck vermeiden, "er sitze vor einem Laptop".
Displays dünn wie ein Blatt PapierGeschichte
Die Idee des elektronischen, unendlich wieder beschreibbaren Papiers ist allerdings bereits rund 25 Jahre alt.
In den frühen 70er Jahren suchte erstmals Nick Sheridon, Forscher am Xerox PARC, nach Alternativen für Computerbildschirme. Sheridon entwickelte die Technik, die dem elektronischen Papier von Gyricon Media noch heute zu Grunde liegt.
Doch bei Xerox stieß Sheridons Erfindung lange Zeit auf wenig Begeisterung. Das elektronische Papier hätte fast das gleiche Schicksal ereilt wie manch andere Entwicklung aus den legendären Xerox- Forschungslabors.
Nach Bankrottgerüchten und offensichtlich in einer fundamentalen Krise versucht Xerox seit letztem Herbst sein Tafelsilber zu verkaufen: Das legendäre PARC soll von Venture-Capitalists übernommen werden. Im PARC wurden in den 70er Jahren bahnbrechende Ideen wie Maus, Tablet-Computer und Ethernet konzipiert. Die Realisierung erfolgte allerdings meistens durch andere Firmen.
Geburtsort von Maus und Ethernet zum VerkaufPixel-Grundstoff
Das E-Papier von Xerox besteht aus einem nur 200 Mikrometer
starken, gummibeschichteten Film, in dem 40 Mikrometer große Kapseln
mit je einer weißen und schwarzen Hälfte schwimmen. Je nach
angelegter Spannung bewegen sich die Partikel in den Kapseln und
bilden so an der Oberfläche schwarze oder weiße Pixel.
Elektronisches Papier ab 2001
