06.05.2001

WEB-INSEL

Bildquelle: APA

"Hyper-Robinsonade" durch neue Medien

Der wegen seiner Thesen zur Gen- und Biotechnologie in die Diskussion geratene Philosoph Peter Sloterdijk hat vor einer "Hyper-Robinsonade" infolge der neuen Medien gewarnt.

Der Zug zu individualistischen Lebens- und Denkformen auf breiter Massenbasis habe durch die Medientechnologie der letzten Jahre bereits epidemische Ausmaße angenommen, sagte der Wissenschaftler und Schriftsteller am Samstagabend zur Eröffnung der 25. Duisburger Akzente.

Die durchschnittliche Medienausstattung der Wohnungen erlaube es dem Einzelnen, sich auf einer eigenen virtuellen Insel zu etablieren und Kommunikation von Insel zu Insel zu betreiben, erklärte Sloterdijk.

Telekommunikation als "verbundene Isolation"

Für Inselbewohner scheine nichts natürlicher zu sein, als interinsuläre Beziehungen zu pflegen. Folglich sei der eigentliche Titel der modernen Telekommunikationen "verbundene Isolation", sagte der Rektor der Karlsruher Hochschule für Gestaltung weiter.

Den Ausführungen Sloterdijks zufolge nehmen die Nutzer von Computer und Internet "ausnahmslos mediale Ausstattungen in Anspruch, die unabhängig vom Inhalt und losgelöst von konkreten Gesinnungen und lokalen Glaubenshaltungen zur Verfügung stehen".

Die Medientechnologien führten außerdem weltweit zu einer Kultur der Ungeduld, die sich vor allem an Aktuellem und Jubiläen orientiere.

Bildung: Routinen der Textverarbeitung dominieren

"Die Menschen von heute träumen davon, die Geschichte abzuschließen und an ihre Stelle das Versicherungswesen zu setzen", sagte er.

Auch Bildung, Ethik und Moral unterlägen durch die immer schnelleren Medien einer Veränderung.

"So wird die Bildung der Zukunftsmenschen vor allem durch Routinen der Textverarbeitung, das heißt durch Manipulation des Vorgefundenen, durch Eingriff und Umschreiben geprägt sein", sagte der Schriftsteller.