Vor Milliardenklage gegen Compaq
Noch im Lauf dieser Woche wird die texanische Anwaltskanzlei Reaud, Morgan und Quinn den Antrag auf Zulassung einer Sammelklage gegen Compaq einbringen.
Dem bis vor kurzem größten PC-Produzenten der Welt wird vorgeworfen, die Verbraucher zu täuschen und seine Garantieverpflichtungen für die Modelle Aero, Presario und iPaq nicht oder nur unzureichend zu erfüllen.
Auf welche Summe sich die Forderungen auf Schadenersatz belaufen werden, ist noch nicht bekannt. Dass es sich um Dollarmilliarden handelt, kann als sicher angenommen werden, zumal der Kläger Wayne A. Reaud heißt.
Compaq ist nicht mehr Nummer einsReaud versus Compaq
Bereits seit 1999 läuft eine Klage Reauds gegen Compaq, in der dem PC-Produzenten vorgeworfen wird, Computer mit fehlerhaften Diskettenlaufwerken ausgeliefert und dabei Datenverluste bei den Kunden wissentlich in Kauf genommen zu haben.
Ein fast identisches Verfahren gegen Toshiba wurde im selben Jahr nur durch einen teuren Vergleich abgewendet.
150 Millionen USD Prämie
Von den rund zwei Milliarden USD kassierte Reaud damals knapp 150
Millionen, im Fall Compaq schätzen Experten den Streitwert etwa auf
die doppelte Höhe.
Mehr über Wayne Reaud3,3 Milliarden USD Prämie
Der texanische Anwalt war in den 80er und 90er Jahren mit Klagen gegen Asbest-Produzenten wohlhabend geworden, so richtig reich wurde Reaud aber 1998 als einer der "Tobacco Five".
In einem Vergleich mit der US-Tabakindustrie hatten fünf Kanzleien zusammen 3,3 Milliarden US-Dollar abkassiert.
Reaud gilt seitdem als eine der reichsten US-Anwaltskanzleien überhaupt.
Mehr Ungemach
Für Compaq, wo man die bevorstehende Klage nicht kommentiert, reiht sich der Angriff Reauds in eine ganze Serie von schlechten Nachrichten ein.
Einbrechende Absatzzahlen und nicht erreichte Gewinnziele bedingten im Frühjahr 2001 Massenentlassungen, vor elf Tagen wurde gar bekannt, dass Mitbewerber Dell die langjährige Nummer eins von der Spitze des PC-Geschäfts verdrängt hat.
