Totale Mobilmachung des IT-Arbeiters
Glaubt man den aktuellen Werbebotschaften, so ist Arbeit etwas Schönes, etwas Lustvolles. Proklamiert wird ein neuartiger Arbeitsbegriff, der frei ist von Schweiß, Schmutz und Anstrengung.
Das ist der Befund der Studie "Bilder in der Informationsgesellschaft", die vor kurzem vom "Zentrum für soziale Innovation" vorgestellt wurde.
Um dem neuen Arbeitsbegriff auf die Spur zu kommen, haben die Ethnologin Johanna Riegler und der Medien- und Kultursoziologe Fritz Betz die Werbebilder der derzeitigen Leitbranche analysiert: die Werbeeinschaltungen der IT-Branche in den Magazinen "Format", "Trend" und "Spiegel" der Jahrgänge 1997 bis 1999.
Die totale Mobilmachung des Arbeiters
Die Darstellung von Arbeit und Freizeit verschmilzt. Kernposition
der Werbebotschaften ist, dass das Individuum interessanter arbeiten
und intensiver leben möchte. "Hier werden die letzten Territorien an
Subjektivität, die zuvor in Bereichen des Privaten ihr Refugium
hatten, wie Lust oder Genuss, für die Produktion nutzbar gemacht",
so die eher kritisch-pessimistische Interpretation von Betz.
Bilder der Arbeit in der InformationsgesellschaftTrügerische Eigenständigkeit
Das Individuum ist damit ins Zentrum der Begehrlichkeiten des neuen Wirtschaftssystems gerückt und zum wichtigsten Rohstoff geworden, suggerieren zumindest die Werbebilder.
Die Bedeutung des Individuums wird zusätzlich dadurch betont, dass beinahe keine Chefs oder Autoritätspersonen vorkommen. Es wird suggeriert, dass sich der Einzelne verwirklicht, kollektive Lösungen spielen eine geringere Rolle.
Der idealisierte Prototyp des Arbeitskraftunternehmers
Jörn Ahrens, Soziologe und Herausgeber des Sammelbandes "Jenseits
des Arbeitsprinzips", über die Folgen des Leitbildes des Arbeiters
als Unternehmer: "Das macht es natürlich schwieriger, innerhalb des
Arbeitsverhältnisses Interessen gegen jemanden zu vertreten, der die
Arbeit gibt. Denn letztendlich wähnt man sich als der eigene
Arbeitgeber, da man scheinbar autonom über seine Arbeit verfügen
kann. Stimmt zwar nicht, hat aber eine große Wirkung."
"Jenseits des Arbeitsprinzips" [Edition Diskord]Gewerkschafter neuen Typs
Weltweit sind die Gewerkschaften dabei, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und Antworten darauf zu finden. In Deutschland soll etwa die Initiative der Deutschen Angestellten Gewerkschaft und der IG Medien Multimedia-Schaffenden eine Betreuung und Interessenvertretung bieten.
Feste und freie Mitarbeiter können in vier Medienmetropolen die Dienstleistungen von connexx.av in Anspruch nehmen. Dabei geht connexx.av völlig neue Wege. So sind nicht Gewerkschafter alten Typs im Einsatz, sondern Leute, die in der Branche auch schon selber gearbeitet haben und ihre Kultur und Sprache kennen.
connexx.the service in Deutschland
Sie sind auch spät am Abend erreichbar, nützen E-Mail und
Internet und verstehen sich als serviceorientierte Einrichtung der
Gewerkschaften.
connexx.avwork@it in Österreich
In Österreich hat die Gewerkschaft der Privatangestellten die
Interessengemeinschaft work@it zur Betreuung von IT- und
Multimedia-Arbeitern geschaffen. Ziel ist es unter anderem, der
steigenden Zahl so genannter atypisch Beschäftigter ein
gewerkschaftliches Zuhause zu geben.
work@itKein "Ende der Arbeit"
Arbeit ist zu einem knappen Gut geworden, sagen die einen. Denn die neuen Technologien werden die Arbeit der Menschen ersetzen. Alles Unsinn, sagen die anderen. Das Ende der Arbeit ist eine Fehldiagnose.
Tatsache ist: Wir leben in einer Zwischenzeit. Staat, Privatheit und auch die Arbeit sind im Umbruch.
Heute um 22.30 Uhr im Ö1-Magazin m@trix
Arbeit ist zu einem knappen Gut geworden, sagen die einen. Denn
die neuen Technologien werden die Arbeit der Menschen ersetzen.
Alles Unsinn, sagen die anderen. Das Ende der Arbeit ist eine
Fehldiagnose. Tatsache ist: Wir leben in einer Zwischenzeit. Staat,
Privatheit und auch die Arbeit sind im Umbruch. Wer in der
IT-Branche seine Arbeitskraft verkauft, muss nicht selten ein
atypisches Beschäftigungsverhältnis in Kauf nehmen. Doch die "neuen
Unternehmer" haben Spaß an der Arbeit, persönliches Engangement und
Wochenendarbeit sind normal. Was steckt dahinter? Was tun die
Gewerkschaften für die neuen Arbeitskraftunternehmer? m@trix widmet
sich den Workaholics der New Economy.
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