06.05.2001

M@TRIX FORUM

Bildquelle: Edition Diskord

Totale Mobilmachung des IT-Arbeiters

Glaubt man den aktuellen Werbebotschaften, so ist Arbeit etwas Schönes, etwas Lustvolles. Proklamiert wird ein neuartiger Arbeitsbegriff, der frei ist von Schweiß, Schmutz und Anstrengung.

Das ist der Befund der Studie "Bilder in der Informationsgesellschaft", die vor kurzem vom "Zentrum für soziale Innovation" vorgestellt wurde.

Um dem neuen Arbeitsbegriff auf die Spur zu kommen, haben die Ethnologin Johanna Riegler und der Medien- und Kultursoziologe Fritz Betz die Werbebilder der derzeitigen Leitbranche analysiert: die Werbeeinschaltungen der IT-Branche in den Magazinen "Format", "Trend" und "Spiegel" der Jahrgänge 1997 bis 1999.

Trügerische Eigenständigkeit

Das Individuum ist damit ins Zentrum der Begehrlichkeiten des neuen Wirtschaftssystems gerückt und zum wichtigsten Rohstoff geworden, suggerieren zumindest die Werbebilder.

Die Bedeutung des Individuums wird zusätzlich dadurch betont, dass beinahe keine Chefs oder Autoritätspersonen vorkommen. Es wird suggeriert, dass sich der Einzelne verwirklicht, kollektive Lösungen spielen eine geringere Rolle.

Gewerkschafter neuen Typs

Weltweit sind die Gewerkschaften dabei, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und Antworten darauf zu finden. In Deutschland soll etwa die Initiative der Deutschen Angestellten Gewerkschaft und der IG Medien Multimedia-Schaffenden eine Betreuung und Interessenvertretung bieten.

Feste und freie Mitarbeiter können in vier Medienmetropolen die Dienstleistungen von connexx.av in Anspruch nehmen. Dabei geht connexx.av völlig neue Wege. So sind nicht Gewerkschafter alten Typs im Einsatz, sondern Leute, die in der Branche auch schon selber gearbeitet haben und ihre Kultur und Sprache kennen.

Kein "Ende der Arbeit"

Arbeit ist zu einem knappen Gut geworden, sagen die einen. Denn die neuen Technologien werden die Arbeit der Menschen ersetzen. Alles Unsinn, sagen die anderen. Das Ende der Arbeit ist eine Fehldiagnose.

Tatsache ist: Wir leben in einer Zwischenzeit. Staat, Privatheit und auch die Arbeit sind im Umbruch.