22.04.2001

M@TRIX FORUM

Bildquelle: PhotoDisc

Der Poker um die Top-Level-Domains

Wer an die Anarchie und die Unabhängigkeit des Internet glaubt, den belehrt Andy Müller-Maguhn, europäischer Vertreter im Direktorium der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers [ICANN] eines Besseren: "Das jetztige Domain-Name-System ist ein sehr zentralistisches und hierarchisches System, das sich de facto unter Kontrolle der amerikanischen Regierung befindet."

Amerikanische Dominanz

Die Rolle der amerikanischen Regierung ist seiner Ansicht nach historisch bedingt. "Wir befinden uns heute in einem Prozess, in dem diese Agenden zum Teil auf ICANN übergehen."

Ein Beispiel für eine Entwicklung, die unter weitgehendem Ausschluss europäischer Einflussnahme stattgefunden hat, ist die Entscheidung der ICANN, die schon bestehenden Top-Level-Domains Dot.com, Dot.org und Dot.net weiter von der amerikanischen Firma Verisign/NetworkSolutions betreiben zu lassen, was dem Unternehmen auf unbestimmte Zeit eine marktbeherrschende Stellung sichert.

Gemäß den ursprünglichen Verträgen hätte sich Verisign Mitte Mai von seinem Registrar-Geschäft trennen müssen.

Gefahr des Missbrauchs

Andy Müller-Maguhn kritisiert die strukturelle Verflechtung der Organisation ICANN mit der amerikanischen Regierung. Nicht weil derzeit ein Missbrauch stattfindet, sondern weil eine derartige Struktur zum Missbrauch einlade.

"In einer wirtschaftskriegerischen Auseinandersetzung mit einem Land hätte das fatale Auswirkungen", skizziert Müller-Maguhn die Gefahr, die die Entscheidungshoheit der US-Regierung über ICANN birgt. So könnte beispielsweise kurzfirstig die Datei geändert werden, wo eingetragen ist, welche Landesdomains auf welchen IP-Nummern landen.

"Die Computer würden zwar noch am Netzwerk hängen aber E-Mails würden nicht mehr ihren Weg finden und Webseiten des Landes würden nicht mehr gefunden werden."