Abrechnung mit der New Economy
Auf einer Tagung des Vereins für Konsumenteninformation [VKI], die heute zu Ende geht, rund um die Themen "Internet-Obudsmann" und "E-Commerce-Gütesiegel" zog Konsumentenschützer Karl Kollmann gestern eine höchst skeptische Zwischenbilanz über die Lage der Informationsgesellschaft.
Mit der Einsparung von etwa 1,5 Euro per Transaktion etwa im Online-Banking habe es finanziell schon seine Richtigkeit, so der WU-Professor.
Kostenverlagerung zum Verbraucher
Allerdings nur auf Seiten der Banker, während der Kunde für mehr
Bequemlichkeit auch mehr bezahle. Gerade beim E-Kommerz werde die
"Kostenverlagerung zum Verbraucher viel zu wenig gesehen".
Internet-Steuern hemmen E-CommerceDie Rechnung der Informationsgesellschaft
Die "Total Cost of Ownership" für einen Durschnittshaushalt, der an der Informationsgesellschaft teilhaben will, wurde in mehreren Modellen an der WU errechnet.
Für Festnetz-und Mobiltelefon, einen PC mit Internet-Anschluss und einen Handheld [Palm oder Ähnliches] lege der Haushalt minestens 3.000 Euro pro Jahr, also 250 Euro an monatlichen Kosten hin.
E-Kommerz
Der Anteil des E-Commerce im klassischen Versandhandel lag laut
einer Studie von Integral und GfK im vergangenen Jahr bei maximal
fünf Prozent. Diese ernüchternden Zahlen seien allerdings nicht
allein auf das Misstrauen der Verbraucher oder auf ihre Unfähigkeit
im Umgang mit neuen Medien zurückzuführen.
Wie [un]modern die Österreicher sindCustomer Relationship Management
Die erwartete Perfektionierung der Customer Relations durch das Internet habe wenigstens 2000 realiter noch solchermaßen ausgesehen.
Ein an der Wirtschaftsuni durchgeführter, verdeckter Kontaktversuch per E-Mail an die Top 400 unter den österreichischen Unternehmen ergab, dass ein Drittel der Unternehmen niemals antwortete.
Elf Prozent der Anfragen kamen gar als Irrläufer zurück, weil die angegebene Mailadresse nicht existierte.
Dunkelziffer bei Userzahlen
Durchwegs mit Misstrauen betrachtet Kollmann auch Zahlen wie die
mittlerweile kolportierten 2,6 Millionen User im "österreichischen"
Internet. Hier sei von einer sehr hohen Dunkelziffer de facto
Inaktiver auszugehen.
Mehr private Internet-Zugänge in AT"Empowerment statt E-Government"
Der Idee so genannten E-Governments kann Kollmann auch wenig abgewinnen. Stelle man Staat und Verwaltung tatsächlich auf elektronische Kontakte um, sei das ein vom gebräuchlichen so radikal verschiedenes Modell, dass es letztlich nur Sinn ergebe, wenn auf nicht virtuellen Parteienverkehr völlig verzichtet würde.
Um eine Möglichkeit zu fördern, die das Internet nachweislich biete, nämlich mehr "Empowerment" und Autonomie des Bürgers gegenüber dem Staat durch direkte, gelebte Demokratie, gingen von den Regierungen in Europa verständlicherweise wenige bis gar keine Impulse aus.
