China im Informationskrieg mit den USA
Die chinesische Regierung, die in westlichen Medien im Zusammenhang mit dem Internet in erster Linie durch Zensurbemühungen in die Schlagzeilen kommt, nutzt das Medium aber auch aktiv im Informationskrieg.
Theoretisch ist der Info-Krieg längst fester Bestandteil der chinesischen Militärstrategie, der entsprechende chinesische Begriff ["Xinxi Zhan"] wurde schon 1985 geprägt, und gleichnamige Studiengägnge werden schon seit geraumer Zeit an zivilen und militärischen Universitäten angeboten.
Im aktuellen Konflikt mit den USA dürfte China allerdings [noch] nicht wie mutmaßlich in der Auseinandersetzung mit Taiwan und der Falun-Gong-Sekte aktiv auf Cracks oder DoS-Attacken zurückgegriffen haben. Die gemeldeten Modifikationen von US-Sites dürften eher von Privatpersonen durchgeführt worden sein.
Taiwan und China haben einander 1999 erstmals durch das gegenseitige Hacken und Modifizieren von Regierungs-Websites befehdet.
1.000 Computerviren gegen ChinaOnline-Heldenverehrung
Vor dem Hintergrund des Stellenwertes, den in China der Informationskrieg einnimmt, sollte auch die Trauer-Site für den abgestürzten Kampfpiloten Wang bewertet werden:
Sie wurde von der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur eingerichtet und ist Teil der Bemühungen, den Piloten zu einem Helden zu stilisieren.
Rückkehr der Besatzung des US-Spionage-FliegersGeplänkel
Chinesische Hacker haben in der letzten Woche mit der Modifizierung von US-Sites auf die aktuelle diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern reagiert.
Von den Aktivitäten waren sowohl Regierungs- als auch Unternehmens-Sites betroffen, wobei die Auswahl der Ziele teils recht willkürlich wirkt: Wahrscheinlich wurden einfach Sites mit einem schwachen Schutz ausgewählt.
Allein die "Washington Post" machte bis zum Wochendende neun modifizierte Sites aus, in der Regel waren sie mit Parolen und Bildern von chinesischen Kampffliegern versehen.
US-Behörden konnten die meisten Angriffe auf IP-Adressen in China zurückführen, weitere Nachforschungen dürften demnach nicht möglich sein.
Ob die Hacks von Regierungsstellen oder Privatpersonen in China ausgingen, wird sich daher nicht feststellen lassen. Bisher bewegen sich die Angriffe allerdings auch noch im normalen Rahmen einer diplomatischen Krisensituation: So waren schon bei der [versehentlichen] Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad zahlreiche US-Sites mit chinesischen Protestnoten versehen worden.
