15.04.2001

M@TRIX FORUM

Bildquelle: clock dva

Die Kunst des "Businessplans"

Vor eineinhalb Jahren reichte es noch, eine gute Idee zu haben, ein paar Stunden Zeit, um diese in einen Businessplan zu gießen, und schon standen die Investoren Schlange.

Von dieser Situation können heutige Start-ups nur träumen. Nachdem die Risikokapitalgeber viel Geld mit Internet-Unternehmen in den Sand gesetzt haben, hat das Pendel heute in die andere Richtung ausgeschlagen.

Auch gute Ideen finden kein Gehör

Nicht einmal mit guten Geschäftsaussichten in naher Zukunft ist Geld locker zu machen. Könnte man meinen. Ganz so schlimm es nicht. Wer einen überzeugenden Businessplan vorweisen kann, hat zumindest den Funken einer Chance. Auf 20 bis 40 Seiten muss da die Strategie für Marketing und Vertrieb, eine Branchen- und Konkurrenzanalyse sowie der Finanzplan dargelegt werden.

Das Drehbuch zum Erfolg

Die Dramaturgie ist klar strukturiert und vorgegeben. Denn nur ein "Happy End" kann Investoren überzeugen. Tipps zur formalen Ausgestaltung und zum Aufbau eines Businessplans finden sich in Hülle und Fülle - im Internet, in Büchern, Zeitungen und Broschüren.

Schreibblockaden oder mangelnde Formulierungsfreude sind da kein Problem, denn es gibt sogar Anleitungen mit vorgefertigten Textbausteinen. Doch zu leicht, sollte man sich diese Arbeit nicht machen, warnt Günther Halvax von der "Treuhand Partner Austria" [TPA].

Die TPA veranstaltet jährlich die sogenannte "Beteiligungsmesse", bei der Unternehmer um das Interesse der Risikokapitalgeber buhlen. Zehn Minuten haben sie Zeit, um ihren Businessplan zu präsentieren.

Abenteurer der New Economy

"Der Businessplan ist wie ein Kochrezept. Alle Zutaten werden festgelegt, um dieses wunderbare Abenteuer zu verwirklichen," so Harald Mahrer, Geschäftsführer von "legend.at" einem Wiener Incubation- und Consultingunternehmen. Das Schaffen von Zukunftslegenden ist sein Geschäft.

Oft fehlt den jungen Start-ups zum Durchbruch aber auch nur der letzte Schliff für den Businessplan. Die Inkubatoren helfen beim Ausbrüten der Idee. Aktuelle Studien, Marktdaten, technisches Know How, PR und Marketing, wie die notwendigen Connections zu Finanz- und Steuerexperten, Rechtsanwälten werden geboten.

Der Businessplan als Kunstwerk

"Wir verbraten und verbrennen das ganze investierte Venture Kapital um kulturellen Wert zu produzieren", erklärt Agent Zai. Der junge Schweizer ist Mitbegründer von "etoy.Venture", das seit 1998 an der internationalen Kunstbörse notiert.

Als "first streetgang on the information highway", 1996 mit der "Goldenen Nica" ausgezeichnet, hat die Aktiengesellschaft heute einen Marktwert von rund zwei Millionen Dollar. Dahinter steckt ein ausgefeiltes Unternehmenskonzept. Kein Manifest und kein Programm, wie das für Künstlerguppen typisch ist.