10.04.2001

DIVERSITY

Bildquelle: PhotoDisc

Vom Starkult zur Musikvielfalt

Durchschnittlich 700.000 Songs findet der netzaktive Musikfreund auf Napster, 80.000 Dateien eröffnen sich mit Gnutella. 750.000 Titel von 100.000 Bands finden sich auf MP3.com, 900.000 auf Listen.com und 165.000 auf EMusic.

Doch eine entscheidende Frage blieb bislang ungelöst: Wie nämlich kann der Musikliebhaber in all dieser digitalen Vielfalt genau jene Musikstücke finden, die seinem Geschmack entsprechen, ohne dabei automtisch beim Standardmenü von Sony, AOL Time Warner oder MTV zu landen?

Und wie könnte das Netz dabei helfen, aus den Ketten der fünf, weltweit dominierenden Plattenkonzerne auszubrechen und den Weg zu frischen Bands ohne weltbekanntem Namen ebnen, die so richtig nach dem Geschmack des Hörers sind.

Großteil der Fans nutzt Musikvielfalt nicht

Es mag schon sein, dass durch das Netz so viele Musiktitel wie nie zuvor einer breiten Öffentlichkeit zugänglich geworden sind. Das hat aber bislang nichts an der Tatsache geändert, dass der Großteil der Fans die gebotene Vielfalt gar nicht nutzt.

Bereits im Jahr 1996 schien es, als hätte das US-amerikanische Unternehmen Firefly in Zusammenarbeit mit dem Media-Lab des MIT mit dem Musikempfehlungssystem "BigNote" einen ganz großen Fisch an der Angel.

Dabei werden Usern Musiktips präsentiert, die andere User mit einem ähnlichen Geschmack als empfehlenswert eingestuft haben. "Personalisierung" lautet das Zauberwort, doch in der Praxis kam das Projekt Firefly nie aus den Kinderschuhen.

Zauberwort "Personalisierung"

Das Bostoner Unternehmen "Media Unbound" war erfolgreicher und bietet heute ein Empfehlungssystem an, das auf dems Firefly-Prinzip beruht. Im Gegensatz zum Vorgängerprojekt kann es auch, was es soll: Neue, unbekannte Bands gezielt vorschlagen.

Auch Mubu.com und MoodLogic sind im Bereich Musik-Personalisierung aktiv. Und die Musiksuchmaschine Gigabeat wurde erst vor wenigen Wochen von Napster übernommen.

Sollte dem Konzept der "Personalisierung" nun Erfolg beschieden sein, könnten schon bald bisher völlig unbekannte Bands wesentlich mehr Schweinwerferlicht abbekommen.

Finden, Entdecken und Orientierung

Damit könnte letztlich die Dominanz der Top-Charts ein Ende finden, die von den Radiostationen weltweit rauf und runter gespielt werden.

"In Zukunft wird es immer wichtiger werden, den Leuten beim Finden, Entdecken und beider Orientierung im unerschöpflichen Musikangebot behilflich zu sein", meint Michael Papish, Mitbegründer von Media Unbound.

"Was machen Sie mit drei Millionen Songs, auf die Sie theoretisch Zugriff haben. Soviele Nummern können Sie im ganzen Leben nicht anhören."