Internet aus der Steckdose kommt zu spät
Das Internet aus der Steckdose kommt nach Ansicht eines Branchenexperten zu spät für den deutschen Markt.
In den Industrieländern gebe es mit Breitbandkabel, DSL und Funkdiensten mittlerweile genügend Alternativen, die auf lange Sicht leistungsfähiger und wirtschaftlicher seien, sagte der Geschäftsführer der Berliner CONAXION GmbH, Frank Brandt, in einem dpa-Gespräch.
"Ich glaube, Powerline als Zugangstechnologie wird sich in Deutschland kaum durchsetzen."
Störstrahlung der Stromkabel noch nicht im Griff
Noch sei bei der Powerline-Technologie nicht geklärt, wie hoch
die Störstrahlung der Stromkabel bei einer Massennutzung als
Telefon- und Internetleitung sein wird. Bei einer Massennutzung
befürchteten Kritiker, dass Funkstörungen etwa beim Polizeifunk
auftreten könnten. Eine Prozesswelle könnte folgen, sagte Brandt.
Auch könnte es sein, dass sie dann nicht mehr annähernd stabil die
erhofften Geschwindigkeiten bietet. "Die Powerline-Technologie ist
sehr komplex." Theoretisch hält Brandt eine Geschwindigkeit von 2
Megabit für möglich, das sind fast drei Mal so viel wie mit der
jetzigen DSL-Technik. Benutzen aber mehrere Anwender die
Stromleitung, sinkt die Geschwindigkeit.
Internet aus der Steckdose ohne SiemensInteressant für Vernetzung im lokalen Bereich
Dennoch ist Powerline nach Ansicht des Beraters alles andere als totgesagt. Die Vernetzung innerhalb von Wohn- oder Gewerbehäusern sei auch in Deutschland und anderen Industrieländern ein durchaus lukrativer Anwendungsbereich.
Zwei PCs in einer Wohnung etwa könnten so vernetzt werden. "Da wären dann auch geringere Übertragungsraten in Ordnung." In einem voll vernetzten Haus mit Internetgesteuerten Haushaltsgeräten könne die Technologie breit angewendet werden.
In weniger entwickelten Ländern sieht der Experte zudem gute Chancen für Powerline als Zugangstechnologie für Telefon und Internet.
