Betrügerisches Chip-"Karussell" ausgehoben
Bei einer europaweiten Razzia gegen mutmaßliche Umsatzsteuerbetrüger hat die Polizei bei 19 Verdächtigen Vermögenswerte von insgesamt 110 Millionen Euro beschlagnahmt.
13 Tatverdächtige säßen in Untersuchungshaft, sagte Polizeidirektor und Einsatzleiter der Aktion Ludwig Egner heute im bayrischen Landshut. Nach sechs Personen weiteren werde noch gefahndet.
Die Ermittlungsbehörden werfen den 19 Beschuldigten vor, die Finanzämter um einen dreistelligen Millionenbetrag betrogen zu haben. Das beschlagnahmte Vermögen soll nach Angaben der Landshuter Staatsanwaltschaft als kriminell erwirtschafteter Gewinn in die Staatskasse fließen.
Am Dienstag hatten rund 1.800 Polizisten, Steuerprüfer und Gerichtsvollzieher 423 Firmenräume, Banken, Steuerkanzleien, Speditionen und Wohnungen in acht europäischen Ländern auf der Suche nach Beweisen für Umsatzsteuer-Hinterziehung im großen Stil durchsucht.
Klein, leicht und teuer
Der mutmaßliche Betrügerring, der ursprünglich von einem Unternehmen im niederbayerischen Raum ausgegangen ist, hat zum Schein mit Prozessoren gehandelt und dafür von den Finanzämtern Vorsteuer kassiert.
Die Chips seien nie für den Verkauf vorgesehen gewesen, sondern nur deshalb gewählt worden, weil sie klein und leicht zu transportieren, aber trotzdem relativ wertvoll seien, sagte der Leiter der Oberfinanzdirektion München, Bernd Heine.
Die Chiphändler und ihre mutmaßlichen Komplicen stehen Heine zufolge außerdem im Verdacht, für den Handel Scheinfirmen gegründet zu haben.
Chip-"Karussell"
Bei den Durchsuchungen in Deutschland und sieben weiteren Ländern stellten die Behörden zwei Kubikmeter Computerbauteile, darunter tausend Prozessoren, rund 7.500 Aktenordner, mehr als 30 PCs und zahlreiche Datenträger sicher.
Den Beschuldigten drohen nach Angaben der Staatsanwaltschaft bis zu fünf Jahre Haft, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahre wegen gemeinschaftlicher Umsatzsteuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Das Chip-"Karussell" sei nicht das einzige Kartell, das in Europa operiere, sagte Heine. Seit Einführung des gemeinsamen Mehrwertsteuergesetzes in der Europäischen Union im Jahr 1993 nehme diese Form der Wirtschaftskriminalität zu.
