Größter Ausfall von .de-Websites
Hunderttausende von Internet-Angeboten waren dieser Tage in ein einheitliches Weiß gekleidet. "Willkommen! Lieber Besucher. Auf Grund eines technischen Defektes im Rechenzentrum und der daraus resultierenden Arbeiten ist diese Site zur Zeit nicht verfügbar", hieß es dort.
Eine Megapanne im Rechenzentrum der Berliner Internet-Firma Strato löste einen bisher einmaligen Störfall im deutschsprachigen Internet aus. Zahllose Websites waren fünf bis sechs Tage nicht erreichbar.
Bei Strato ist etwa jede dritte der insgesamt 4,3 Millionen Internet-Domains mit der Deutschland-Endung .de unter Vertrag.
"Wollen Vertrauen zurückgewinnen"
"Wir hoffen, das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen zu können",
sagte der Vorstandsvorsitzende der Strato-Muttergesellschaft Teles,
Sigram Schindler. Es werde alles getan, um mit dem Aufbau eines
zusätzlichen Backup-Systems die Wiederholung eines solchen Ausfalls
zu vermeiden.
StratoNetzüberspannung schoss Festplattensystem ab
Den technischen Partner KPNQwest will Teles "entsprechend unter Druck" setzen. Neben dem Rechenzentrum in Karlsruhe sollen künftig Backup-Systeme an geografisch getrennten Orten zur Verfügung stehen.
Ursache des Crashs war nach Angaben von Strato eine Netzüberspannung am Dienstag, dem 27. März, gegen 14.30 Uhr. Diese führte "zu einem abrupten Shutdown der Speichereinheit" - sprich Zehntausender zusammengeschalteter Festplatten.
Um Datenverluste auszuschließen, wurden erst alle Festplatten geprüft, was die Reparaturarbeiten in die Länge zog. Schließlich musste Strato einräumen, dass es "entgegen ersten Vermutungen doch zu einem Verlust von Daten gekommen" sei.
7.000 Sites in den ewigen Datengründen
Einen Totalverlust gab es bei etwa 7.000 Homepages. "Angesichts des mangelnden Backups hätte das noch ganz anders ausgehen können", schimpfte Teles-Chef Schindler.
Castor-Gegner orteten Komplott
Zu Beginn des Ausfalls machte das Gerücht einer gezielten Aktion gegen Castor-Gegner die Runde: Weil ausgerechnet am letzten Tag des Bahntransports auch die Internet-Angebote einiger Bürgerinitiativen gegen die Atommülltransporte ins Wendland zusammenbrachen, wollte dort niemand an einen technischen Defekt glauben.
Mit jedem weiteren Offline-Tag stieg die Empörung der Website-Betreiber. Innerhalb von drei Tagen gab es in den Strato-Diskussionsforen nach Angaben des Unternehmens so viele Beiträge wie sonst in einem Monat.
"Berechtigte Schadenersatzansprüche sind bei der Strato geltend zu machen", erklärte die Muttergesellschaft Teles. Diese sollen demnach zügig bearbeitet und dann in vollem Umfang an den technischen Partner KPNQwest weitergereicht werden.
Konkurrenz "nicht glücklich"
Bei der Konkurrenz ist man über die Panne keineswegs glücklich. "Schließlich wird damit die Frage der Zuverlässigkeit von Web-Hosting allgemein aufgeworfen", sagt der Sprecher der 1&1 Internet AG, Michael Frenzel.
Linux kontra Sun & Co.
Technische Pannen könnten zwar nie völlig ausgeschlossen werden. Beim 1&1-Angebot Puretec seien allerdings keine großen Sun-Cluster, sondern viele hundert Linux-Server im Einsatz, wie betont wird.
"Wir haben eine völlig andere Technik", erklärt eder Firmensprecher auf Anfrage. "Wir setzen auf viele kleine Systeme, die redundant sind." Bei einem Rechnerausfall seien dann maximal einige tausend Web-Präsenzen betroffen.
