Prügeln, Sprengen, Ego-Shooten
Eine harte, mysteriöse Manga-Heldin, die die Welt retten soll, Action, Schießerei und jede Menge Handgemenge - die Zutaten stimmen an sich.
"Der 'Big Brother' ist lebendig und wohlauf"
Sie befinden sich im Jahr 2032. Ihr Auftrag: Zerstören Sie ein skrupelloses Verbrechersyndikat mittels diverser futuristischer Waffen.
Der erste Eindruck
Von 3D-Action-Adventure-Liebhabern sehnsüchtig erwartet und von der Presse schon vor dem Release hoch gelobt, kann Oni die Erwartungen, die in das erste Spiel dieses Genres auf der PS2 gesteckt wurden, nicht recht erfüllen.
Oni entpuppt sich als Kombination aus Metal Gear Solid, Prügel-und-hau-drauf-Spiel, Adventure und Ego-Shooter.
"Ghost in the Shell" und "Nikita" als Vorbilder
Die Hauptfigur ist Konoko, eine Heldin im Manga-Stil, Mitglied der TCTF [Technology Crime Task Forces] und auserkoren, die Welt [oder was davon übrig ist] zu retten. Sie bekommt Hilfe von Shinitama, einer SLD [Simulated Life Doll], die ihr die neuen Aufgaben erklärt.
Spielen ohne Hintergrund
Allein schon das Handbuch gibt Rätsel und baut eine Geschichte auf, die im Spiel nie realisiert wird.
Das Spielprinzip ist bekannt. Man rennt durch die diversen Levels und versucht Laserstrahlen auszuweichen, Feinde zu töten, die richtigen Knöpfe zu drücken und aus den Anweisungen schlau zu werden. Das ist gar nicht so einfach, hat aber auch keinen weiteren Einfluss auf das Spiel, weil es keine echten Rätsel zu lösen gilt.
Die Level sind zwar realitätsnahe, aber nicht sehr abwechslungsreich aufgebaut - lange, lieblos gestaltete Gänge sind die Folge.
Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig - alle Tasten sind belegt, die Analogsticks werden zur Navigation benutzt. Diese will aber erst gelernt sein. Die Prügelkombinationen hat man relativ schnell drauf, das Schießen gelingt noch nicht so gut. Das macht aber nichts, denn zum Schießen kommt man sowieso kaum [außer man steht auf einen schnellen Tod]. Der linke Stick wird zur Bewegung genutzt [alternativ: Richtungstasten) und die richtige Richtung weist nur der rechte Stick. Das allerdings ist sehr mühsam: Man hat zwar eine 360°-3D-Übersicht, aber die gleichzeitige Kontrolle über den linken und den rechten Stick zu erhalten, damit man nicht ständig in Wände oder an Gegnern vorbeiläuft, ist schwierig.
Dumme Sprüche
Die Gegner sind aber scheinbar meistens ebenso unkontrolliert wie man selber - sie schlagen zum Teil vorbei bzw. hinter Konokos Rücken.
Bei den bewaffneten Gegnern muss man allerdings aufpassen - wer seine Gesundheit nicht im Auge behält [und zum Beispiel gerade eine Mission innerhalb einer bestimmten Zeit erledigen muss], ist schnell abgeknallt. Aber alle Gegner sind relativ locker zu er-schlagen [sehr effektiv: der Genickbruch].
Bemerkenswert sind die Sprüche während der Kampfszenen: "Ich will dir doch nicht wehtun" [Gegner] und "Du lässt Dich von einem Mädchen besiegen" [Konoko] - sehr abwechslungsreich.
Die Videosequenzen können nicht übersprungen werden, was bei mehrmaligem Spielen nervt. Schade ist, dass in den Zwischensequenzen die Figuren kaum bewegt sind und nicht einmal den Mund öffnen - eigentlich Standard mittlerweile. Das Spiel macht auch kaum Gebrauch von der Emotion Engine [bis auf die ruckellosen Bilder, dafür liegen die Figuren immer noch durch die Wand], es gibt keine spektakulären Lichteffekte, und Einschuss-Spuren gab es schon in PS1-Spielen.
Das Fuzo-Fazit:
Wer auf Prügel-und-hau-drauf-Spiele steht, ist mit Tekken Tag Tournament [PS2] oder Soul Calibur [Dreamcast] besser bedient - mehr Zweikämpfe und keine elendslangen Zwischensequenzen, in denen man mutterseelenallein durch lange, dunkle Gänge läuft.
Wer auf Action-Adventures mit Frauen-Power steht, sollte sich an Tomb Raider halten [in der mittlerweile 5. Auflage, für PS1 und DC]. Ego-Shooter gibts ebenfalls genug.
Das Ergebnis
Geringer Suchtfaktor, denn Oni ist keine besonders gelungene
Kombination dieser Genres, und die PS2 kann sicher mehr, als Kisten
und Wände durchsichtig werden zu lassen. Auf das wahre
Action-Adventure [für die PS2] darf noch gewartet werden. Getestet
für PS2, erhältlich auch für PC und Mac OS.
Offizielle Site PS2
Offizielle Site PC und Mac
