21.03.2001

CEBIT 2001

Bildquelle: FuZo

Gewerkschaft knöpft sich IT-Branche vor

Die deutsche Gewerkschaft IG Metall will sich künftig verstärkt in der IT-Branche engagieren. "Die IT-Fachleute begannen nach einer Anfangseuphorie kritisch zu werden, als Vergünstigungen wie Aktien-Optionen wider Erwarten keine Gewinne abwarfen", meint Gewerkschafterin Christiane Benner im dpa-Gespräche.

"Viele haben inzwischen den Wunsch nach einem fest kalkulierbaren Einkommen. Anderen muss man erst klarmachen, dass sie Rechte haben."

Mit ihrem CeBIT-Stand reagiere die IG Metall auf ein wachsendes Interesse unter Angestellten der Computer- und Telekommunikationsbranche. "Gerade in kleineren Firmen löst ein Arbeitsprojekt das nächste sofort ab oder überschneidet sich sogar."

"Es gibt kaum Ruhephasen, zehn bis zwölf Arbeitsstunden pro Tag sind die Regel", sagte die Gewerkschafterin. "Das hat zur Folge, dass IT-Fachleute häufig schon mit Anfang dreißig an Stresskrankheiten wie Tinnitus [Hörsturz] leiden."

"Raubbau am Körper nützt niemandem"

Es verstoße ganz klar gegen Gesetze, seine Beschäftigten ständig mehr als 60 Stunden die Woche arbeiten zu lassen. Burn-out und krankhafte Arbeitssucht seien in den IT-Berufszweigen schon unter Mittdreißigern häufige Symptome.

Benner betonte, es sei unbestritten sehr positiv, dass Menschen sich mit ihrem Beruf identifizierten. "Langfristig müssen sie aber ihre Belastbarkeit einzuschätzen lernen. Ein Raubbau am eigenen Körper dient auf Dauer weder dem Angestellten noch seiner Firma." Viele entdeckten allmählich, dass Arbeit nicht alles im Leben sei. "94 Prozent der Großfirmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern haben inzwischen einen Betriebsrat aufgebaut."