E-Mails revolutionieren die Kommunikation
Digitale Kommunikation und dabei vor allem E-Mail ist nach Ansicht eines renommierten britischen Linguisten nach Sprache und Schrift die dritte Revolution der menschlichen Kommunikation.
Für den britischen Wissenschaftler David Crystal stellt insbesonders die Möglichkeit, schnell und gezielt auf einzelne Gedankengänge und Absätze im Zuge eines kommentierten Reply einzugehen, in dieser Form eine grundsätzlich neue Qualität der Kommunikation dar.
Auch in Chaträumen entfaltet die Kommunikation demnach eine völlig neue Dimension. In keinem anderen Medium, nicht einmal in Pubs, sei es derart vielen Individuen gleichzeitig und parallel möglich, zu kommunizierern, meint Chrystal.
Elektronische Kommunikation verändert die Sprache
Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten sowie die Non-Linearität
des Internets [z.B. von Hyperlinks] verändert nach Ansicht des
Experten nicht nur die Sprache selbst, sondern auch Design, Kunst
und Kultur. Crystal ist Autor zahlreicher sprachwissenschaftler
Bücher [u.a. die "Cambridge Enzyklopädie der englischen Sprache"].
In seinem neuesten Buch geht Crystal auf den so genannten "Netspeak"
ein.
Cambridge Enzyklopädie der Sprache80 Millionen E-Mails für den US-Kongress
Neue Kommunikationsmöglichkeiten müssen keineswegs zwangsläufig zu mehr Interaktion führen, denn die menschliche Verarbeitungsgeschwindigkeit kann stellenweise mit der steigenden E-Mail-Flut nicht mehr Schritt halten.
Einer aktuellen Untersuchung zufolge ignorieren beispielsweise die Abgeordneten zum US-Kongress den Großteil der insgesamt 80 Millionen E-Mails, die sie jährlich von Wählern und Lobbyisten erhalten.
Die Zahl der E-Mails an den US-Kongress hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre mehr als verdoppelt. Einige Senatoren erhalten pro Monat mehr als 55.000 elektronische Nachrichten.
Aus Euphorie wurde Enttäuschung
Wie es in dem Bericht weiter heißt, ist die anfängliche Euphorie
über die Möglichkeiten des Internets zur Förderung der Demokratie
inzwischen in Enttäuschung und Verärgerung übergegangen. Ein
Großteil der Bürger ist über die vermeintlich "schreibfaulen"
Kongressmitglieder verärgert, die Abgeordneten wiederum beklagen,
die E-Citizens hätten keine Ahnung, wie der Kongress funktioniere.
United States CongressNeue Spielregeln für die "E-Demokratie"
Eine Studie empfiehlt nun einen freiwilligen Verhaltenskodex für Lobbyisten und Bürgerinitiativen. Er soll helfen, Massenmailings und E-Mail-Bombardements in den Griff zu bekommen.
Andererseits sollten die Volksvertreter durch modernere Ausrüstung und zusätzliche Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, ihre elektronische Post auch zu beantworten, heißt es in der Untersuchung.
Zum Dritten müsste die Öffentlichkeit ihre Erwartungen herunterschrauben: Für die Volksvertreter sei es schlicht und ergreifend nicht möglich, die Fragen jedes einzelnen Bürgers elektronisch zu beantworten.
