Neue Vorwürfe gegen DT-Chef Sommer
Deutsche Telekom-Chef Ron Sommer und der frühere Finanzvorstand Joachim Kröske sollen nach Berichten der deutschen Nachrichtenmagazine "Focus" und "Der Spiegel" bereits 1998 über die Fehlbewertung der DT-Immobilien unterrichtet worden sein.
"Der Spiegel" zitiert in seiner jüngsten Ausgabe aus Briefen und Beweismitteln, die der frühere DeTe-Immobilien-Chef Frerich Görts im Rahmen einer Klage gegen die Deutsche Telekom vorgelegt habe. Danach habe Görts Sommer und den damaligen Aufsichtsratschef Helmut Sihler 1998 auf die Bewertungsproblematik hingewiesen.
Auch die eigene Konzernrevision habe frühzeitig vor "erheblichen Mängeln" bei der Bewertung gewarnt.
Energisches Dementi der Deutschen Telekom
Die Deutsche Telekom wies die "altbekannten" Vorwürfe am Samstag
erneut entschieden zurück. "Durch Wiederholung werden diese
Vermutungen nicht besser", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek. Der
Konzern habe 1995 seine Immobilien sach- und fachgerecht bewertet.
Eine Sonderprüfung habe das Vorgehen in Methodik und Werthaltigkeit
bestätigt, betonte Lissek. Erst durch den jüngsten Strategiewechsel,
der einen Verkauf von Immobilien vorsieht, habe die bis dato
korrekte generelle Bewertung der Immobilien durch eine
Einzel-Bilanzierung der Grundstücke und Gebäude ersetzt werden
müssen.
Deutsche TelekomStrafanzeige von DT-Aktionären
Die Bonner Staatsanwaltschaft hatte vor kurzem ihre Ermittlungen zu der Fehlbewertung auf Sommer ausgeweitet. Deutsche Telekom-Aktionäre hatten Strafanzeigen gegen Sommer und Sihler gestellt. "Focus" berichtet, Görts habe Finanzvorstand Kröske am 24. März 1998 darauf aufmerksam gemacht, dass Liegenschaften in Bonn, Düsseldorf, Köln und München um ein Fünftel überbewertet seien.
Anschließend hätten beide mit Sommer gesprochen. In einem "streng vertraulichen Vermerk für Herrn Dr. Kröske" vom 20. April 1998, der "Focus" vorliege, habe Görts dann den Abschreibungsbedarf für 1998/99 auf "mindestens 1,5 bis 2,0 Milliarden Mark" beziffert.
They know what you did last summer, Sommer
Die im Februar bekannt gegebene drastische Abwertung der
Immobilien in Höhe von rund 3,9 Milliarden Mark geht indessen nach
Informationen des "Spiegels" auf ein Gutachten zurück, das die DT
auf Drängen der Staatsanwaltschaft bei der Immobiliengesellschaft
Jones Lang LaSalle in Auftrag gegeben habe. DT-Sprecher Lissek
erläuterte, dass durch den geplanten Immobilienverkauf Grundstücke
und Gebäude nun nach dem "Niederstwert- Prinzip" beurteilt würden.
Das bedeute, Immobilien, die wertvoller als bisher geschätzt seien,
würden ihren bisherigen Wert behalten, weniger teure aber
abgewertet.
"Spiegel"-Artikel: "Wer frisierte die Immobilienbilanz?"
"Focus"-Artikel: "Schwere Vorwürfe gegen Sommer"Bodenwerte anno 1995
Die Gutachter hatten laut "Spiegel" Teile des Immobilienvermögens anhand der Bodenwerte von 1995, also des Zeitpunktes, zu dem die Eröffnungsbilanz der Deutschen Telekom erstellt wurde, neu bewertet.
Dabei hätten sie Abweichungen zwischen 700 Millionen und 1,3 Milliarden Mark von den Werten in der Deutsche Telekom -Bilanz festgestellt. Da mit der Neubewertung auch nur einer Immobilie sämtliche Kategorien, in die DT-Gebäude und -Grundstücke aufgeteilt sind, neu berechnet werden müssten, sei ein noch größerer Korrekturbedarf entstanden.
Bewertung der Bauten steht aus
Auch das Gutachten von Jones Lang LaSalle biete nach
Informationen des "Focus" noch kein volles Bild. "Die Gutachter
haben bisher nur die Grundstücke geprüft und nicht die Bauten", wird
Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für
Wertpapierbesitz zitiert. Eine Prüfung der Gebäude könne weitere
Abschreibungen nötig machen.
Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
