Schwarze Woche an den Weltbörsen
Gewinnwarnungen führender Technologie-Unternehmen, Zinssorgen und die Furcht der Anleger vor einer harten Landung der US-Wirtschaft haben am Freitag massive Aktienverkäufe in Gang gesetzt.
Die Anleger reagierten auf Ergebniswarnungen seitens Oracle, Compaq Computer und Computer Sciences sowie auf Befürchtungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve auf ihrer Sitzung in der nächsten Woche die Leitzinsen nicht energisch genug senken werde, um ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern.
Der 30 Standardwerte umfassende Dow Jones-Index verlor 207,97 Punkte oder 2,1 Prozent auf 9823,41. In der Wochenbilanz hat der Index 821 Punkte oder 7,7 Prozent verloren. Das war punktemäßig der stärkste Rückschlag aller Zeiten, doch auf prozentualer Basis stand das Wochenminus nur an 44. Stelle.
Nasdaq verlor acht Prozent
Prominentester Dow-Jones-Verlierer waren IBM mit einem Minus von
5,46 Punkten oder 5,71 Prozent auf 90,10. Die Nasdaq stürzte um
49,80 Punkte oder 2,5 Prozent auf 1890,91 ab. Im Wochenvergleich hat
der Index acht Prozent verloren.
NasdaqAn der Wall Street wird fest mit einer Zinssenkung gerechnet. Händler meinten jedoch, wenn die Zinsen nur um 0,50 Prozent ermäßigt würden, wäre den Anlegern nicht geholfen, weil der Markt ein halbes Prozent bereits vorweggenommen habe.
NYSEGewinnwarnungen en gros
Ausgelöst wurde die Nasdaq-Schwäche vom Softwarehersteller Oracle, der am Donnerstag nach Handelsschluss eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal des Geschäftsjahres abgab, sowie schlechte Nachrichten von Compaq Computer und Computer Sciences.
Compaq warnte vor einem Ertragsrückschlag im ersten Quartal und kündigte den Abbau des Personals um 5000 Stellen an. Computer Sciences [CSC] gab ebenfalls eine Gewinnwarnung und Entlassungen bekannt.
Computer Sciences-Aktie brach ein
Der weltweit drittgrößte Anbieter von Computer-Dienstleistungen
teilte mit, sein Gewinn werde sowohl im laufenden Quartal wie auch
im kommenden Geschäftsjahr deutlich unter den Analysten-Prognosen
liegen. Das Unternehmen begründete dies mit einem stärker als
erwartet ausfallenden Nachfragerückgang, der sich außerdem von den
USA nach Europa ausgeweitet habe. CSC kündigte den Abbau von 700 bis
900 seiner 68.000 Stellen an. Zur Finanzierung des Stellenabbaus
würden im laufenden Quartal 100 bis 150 Millionen Dollar zur Seite
gelegt, teilte das Unternehmen weiter mit. Der Kurs der CSC-Aktie
brach nach der Mitteilung im frühen Handel an der Wall Street in
einem leichteren Marktumfeld um 32 Prozent auf 36,70 Dollar ein.
Computer SciencesNEMAX 50 auf Allzeit-Tief
Die "schwarze Woche" hat auch für die deutschen Aktien aufgehört wie sie begann: Mit deutlichen Verlusten. Im Wochenverlauf verlor der Deutsche Aktienindex DAX insgesamt 8,2 Prozent. Am Freitag ging das Börsenbarometer mit einem Verlust von 1,47 Prozent auf 5734,49 Punkte aus dem Handel.
Die im NEMAX 50 zusammengefassten Neuer-Markt-Werte gaben 2,11 Prozent auf 1614,44 Zähler nach und schlossen damit auf einem neuen Allzeit-Tief. Im Wochenvergleich verlor der Hoffnungswerte-Index 19,2 Prozent. Der 70 Nebenwerte umfassende MDAX büßte 2,60 Prozent auf 4.450,43 Punkte ein.
"Hexensabbat" verursacht überdimensionale Schwankungen
Am so genannten "Hexensabbat" wechselten mehr als 60 Millionen
Aktien der Deutschen Telekom den Besitzer. "Das ist das fünf- bis
sechsfache der normalen Menge", sagte Analyst Werner Stäblein von
der BHF-Bank. Die T-Aktie verlor im allgemeinen Abwärtstrend bis
Handelsschluss 2,66 Prozent auf 25,99 Euro. Hinter dem mysteriös
klingenden Namen "Hexensabbat" steckt der dreifache Verfallstag für
Terminkontrakte. An diesem Freitag sind an der Eurex, dem
Terminmarkt der Deutschen und Schweizer Börse, gleichzeitig der
März-Future auf den Deutschen Aktienindex, die März-Optionen auf den
DAX und März-Optionen auf Aktien verfallen. Das erkläre auch die
überdimensionalen Schwankungen verschiedener Aktien, sagte ein
Frankfurter Wertpapierhändler.
Neuer MarktSAP als Hauptverlierer
Größter Verlierer waren am Freitag SAP-Vorzüge mit einem Minus von 8,46 Prozent auf 129,99 Euro. Am Markt werde befürchtet, dass der Walldorfer Softwarekonzern mit seinem US-Geschäft ähnlich schwache Ergebnisse wie der US-Konkurrent Oracle erzielen werde.
Oracle hatte bekannt gegeben, dass die Abkühlung der amerikanischen Konjunktur sich in den vergangenen Monaten mehr auf das Umsatz- und Gewinnwachstum niedergeschlagen habe, als vom Unternehmen bisher erwartet.
OracleEbenfalls unter Druck gerieten am Freutag die übrigen Technologiewerte im DAX: Siemens verloren 5,10 Prozent auf 113 Euro, Epcos büßten 2,96 Prozent auf 63,85 Euro ein und Infineon gaben um 1,25 Prozent auf 39,50 Euro nach.
