Heimarbeit im Netzzeitalter
Trotz der Verbreitung des Internets und anderer moderner Kommunikationstechnologien werden Angestellte nach Ansicht von Experten auch in Zukunft nicht nur vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten.
"Die so genannte Tele-Arbeit wird zwar zunehmen, aber sie kann das Zusammengehörigkeitsgefühl und die sozialen Kontakte in einer Firma nicht ersetzen", sagte Professor Ekkehart Frieling vom Institut für Arbeitswissenschaft an der Universität Kassel anlässlich der bevorstehenden Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Arbeitswissenschaft [GfA].
Gleichzeitig warnte er davor, sich nur mit der Arbeit der Zukunft zu beschäftigen und dabei die Probleme der Gegenwart zu vernachlässigen.
Voraussetzungen
36 Prozent aller deutschen Beschäftigten verrichten laut einer
Studie vom Juli 2000 ihre Aufgaben fast nur noch am Computer. Zwei
von drei Beschäftigten arbeiten gelegentlich oder überwiegend am
Rechner.
Zwei von drei Beschäftigten arbeiten am ComputerMischform optimal
Am besten bewährt hat sich laut Frieling "fragmentierte Tele-Arbeit" als eine Mischform aus Büro- und Heimarbeit.
Viele Unternehmen haben sich auf solche neuen Möglichkeiten der Arbeitsorganisation bereits eingestellt, indem sie die herkömmlichen Arbeitsverträge durch verbindliche "Zielvereinbarungen" ersetzt haben.
Nicht Arbeitszeit oder Stückzahl sind hier ausschlaggebend für die Bezahlung, sondern entscheidend ist das Erreichen eines Ziels, etwa die Erledigung eines genau bestimmten Aufgabenpensums.
Auf diese Veränderungen müssten allerdings jetzt auch die Gewerkschaften reagieren.
Nicht nur große Technologie-Firmen haben in den letzten Jahren Programme aufgelegt, um ihre Mitarbeiter zu Hause zu vernetzen, und damit die Voraussetzung für Telearbeit geschaffen.
Intel verschenkt Computer an MitarbeiterNeue Probleme
Neue Formen von Arbeitsbelastung haben sich unterdessen im Boom-Bereich der Call-Center herausgebildet, erklärte Frieling. "Die Tätigkeiten sind dort im Grunde wie Fließbandarbeit organisiert."
Ebenfalls problematisch sei es, dass das Streben von Unternehmen nach Flexibilität zu immer größeren Anforderungen an die Flexibilität der Beschäftigten führe.
Mit den aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt will sich die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft [GfA] auf ihrer morgen beginnenden Jahrestagung an der Universität Kassel beschäftigen. Zu der 47. Jahrestagung werden 300 Vertreter von Wissenschaft, Industrie und Ministerien erwartet.
Gesellschaft für Arbeitswissenschaft
