12.03.2001

ONLINE-POLITIK

Bildquelle: bp

"Internet-Rebellen" in Mexiko-City

Als Höhepunkt ihrer 3.000 Kilometer langen Friedenstour haben die mexikanischen Zapatistenrebellen [EZLN] gestern den Einzug ins Zentrum von Mexiko-Stadt vorbereitet.

Die Mannen der EZLN gelten seit der Erhebung am Neujahrstag 1994 in Chiapas auch als "Internet-Rebellen", wobei dieser Ruf teils zutrifft, teils nur Teil einer smarten Imagepoltik sein dürfte.

So gehörte zu ihrem Image als "moderne" und "undogmatische" Rebellen auch die Nutzung zeitgemäßer Kommunikationsmittel. Zu diesem Image trugen maßgeblich die Bilder von Subcomandante "Marcos" bei, der fern von jeder klassischen Infrastruktur via Handy und Laptop seine Botschaften verbreitete.

Informationssperre umgehen

Vor allem was die Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation von Solidaritätsaktionen angeht, ist das Netzimage der EZLN allerdings stimmig.

Unmittelbar nach dem 1. Jänner 1994, dem Aufstand der Zapatisten in Chiapas, tauchten EZLN-Mitteilungen auf Sites und Servern der ganzen Welt auf. Diese schnelle und weite Ausbreitung der Mitteilungen und die folgende Einrichtung internationaler Solidaritäts-Netzwerke waren dafür mitverantwortlich, dass die Zapatistas überleben konnten.

Insbesondere die Informationsblockade der meisten mexikanischen Medien konnte über das Internet von den Rebellen nachhaltig umgangen werden.

Im letzten Jahr wurden der EZLN sogar nachgesagt, über den Server der Frankfurter Börse Regierungssites der USA angegriffen zu haben. Diese Legende dürfte allerdings nicht von den Rebellen, sondern von US-Regierungsstellen stammen, die die Gefahr des Cyber-Terorismus beschwören wollen.

Gutes Timing

Teilweise dürfte die EZLN allerdings auch schlicht Glück gehabt haben, zum richtigen Zeitpunkt in Aktion getreten zu sein, da bestimmte Aktionsformen im Netz sonst schlicht aus anderen Anlässen gestartet worden wären.

Das dürfte insbesondere für die frühen Formen von DoS-Attacken [Denial of Service] gelten, mit denen das "Electronic Disturbance Theatre" [EDT] als Solidaritätsbekundung mexikanische Regierungssites blockierte ["FloodNet"].