Siemens-Aktien starten heute an der Wallstreet
Wenn Siemens-Chef Heinrich von Pierer heute in New York den ersten Handelstag von Siemens-Papieren an der Wall Street einläutet, zieht er einen Schlussstrich unter das Zehn-Punkte-Programm, mit dem er vor drei Jahren den Umbau des trägen Industrieriesen Siemens in Angriff nahm.
Der Börsengang in den USA soll nicht nur die Kriegskasse für weitere Zukäufe bilden, sondern auch den Bekanntheitsgrad auf dem amerikanischen Markt steigern.
Das US-Geschäft hat im vergangenen Geschäftsjahr rote Zahlen geschrieben, weshalb von Pierer die US-Präsenz von Siemens "auf den Prüfstein legen will". Verstärkung braucht der Konzern Analysten zufolge vor allem bei der Netzwerksparte ICN.
113 Millionen Euro Verlust in den USA
Oberstes Ziel ist es nach den Worten des Siemens-Vorstandschefs,
in den USA effizienter zu arbeiten und die Ertragskraft zu steigern.
Mit rund 75.000 Mitarbeitern hatte der Konzern im Geschäftsjahr
1999/2000 [zum 30. September] einen Umsatz von 16,2 Milliarden Euro
in den USA erwirtschaftet, aber einen Verlust von 113 Millionen Euro
verbucht.
SiemensPierer: "Präsenz in den USA verstärken"
"Es ist jetzt an der Zeit, unsere Präsenz in den USA grundsätzlich auf den Prüfstein zu legen", hatte von Pierer auf der Hauptversammlung verkündet.
Der amerikanische Markt wird für Siemens immer wichtiger. Der Anteil des in den USA erzielten Umsatzes an den Gesamterlösen stieg in den letzten fünf Jahren von zwölf auf 22 Prozent.
Im letzten Geschäftsjahr war der Auftragseingang aus den USA mit mehr als 19 Milliarden Euro zum ersten Mal größer als aus Deutschland.
Sparte Netzwerke wird verstärkt
Erst im Februar hatte Siemens den Kauf der US-Breitband-Firma
Efficient Networks für 1,5 Milliarden Dollar angekündigt, um seine
Sparte ICN zu verstärken. Analysten sehen aber weiter Nachholbedarf.
"Es wird schon länger darüber spekuliert, dass Siemens in den USA
mal was Größeres zukauft, um die Sparte ICN richtig voranzubringen",
sagte Theo Kitz, Analyst bei Merck, Finck & Co. Von Pierer habe aber
in der Vergangenheit bei Akquisitionen eher die Strategie "klein,
aber fein" verfolgt.
Siemens will DSL-Spezialisten übernehmenTrotz des allgemein schwachen Marktumfeldes für Technologiewerte in den USA halten Experten den Zeitpunkt für ein Listing an der Wall Street für den richtigen.
"Siemens erhält dadurch eine Akquisitionswährung - je schneller, desto besser", sagte ein Analyst.
