Webcams are watching you
Für großes internationales Aufsehen sorgt die Meldung, dass die erste Webcam der Welt nun offline gehen soll.
Wie die FuZo gestern berichtete, wird die erste jemals installierte Webcam in einer Teeküche an der britischen Universität Cambridge abgeschaltet. Die Kamera hatte nur den Zweck, rund um die Uhr eine Kaffeekanne zu filmen.
Seit fast zehn Jahren in Betrieb
Am Dienstag war "XCoffee" noch der Star in der ZDF-Dokumentation
"Das Webcam-Projekt: In 120 Minuten um die Welt". Als ihr Erfinder
gilt Quentin Stafford-Fraser, als ihr Geburtstjahr 1991.
Stafford-Fraser konstruierte damals die Webcam, um über das zunächst
intern auf die Computerschirme des Uni-Instituts übertragene Bild
stets sehen zu können, ob es gerade Kaffee gab. Auf diese Weise
ersparte er sich und seinen Kollegen unnötige Gänge in die Küche.
"Die Fotos wurden bis zu drei Mal in der Minute aktualisiert. Das
war ausreichend, da die Maschine sehr langsam Kaffee produzierte,
und mit den Graustufen war dies gut zu erkennen", sagte der
Wissenschaftler.
Noch ist die Webcam in Betrieb
Homepage von Quentin Stafford-Fraser2,4 Millionen Besucher seit 1993
Bekannt wurde "XCoffee" erstmals durch einen Artikel, den Bob Metcalfe am 27. Jänner 1992 in der Zeitschrift "Comm Week" veröffentlichte. In der Folge wurde die "XCoffee" von Daniel Gordon und Martyn Johnson umgebaut und auch ins WWW eingespeist und 1993 somit zur ersten "Webcam" der Welt.
Seit damals hätten mehr als 2,4 Millionen User die Website mit der Kaffeekanne besucht, berichtet Stafford-Frasers Kollege Gordon.
Kaffeemaschine und Webcam befinden sich in der Computer-Forschungsabteilung der Uni Cambridge, die den Namen "Trojan Room" trägt. Die Webcam ist im englischsprachigen Raum daher auch als
Trojan Room Coffee Machine bekanntDer Webcam-Boom
Webcams erleben seit geraumer Zeit einen regelrechten Boom. Einfache Technik und erschwingliche Preise haben zu einem extrem hohen Verbreitungsgrad beigetragen.
Webkameras sind heute fast allgegenwärtig: Von der privaten Hochzeit bis zum Vulkanausbruch - immer ist die Netz-Gemeinde via Webcams dabei.
Weltumspannend
Dienstagabend lief im ZDF die Dokumentation "Das Webcam-Projekt:
In 120 Minuten um die Welt", die vier Studenten des Fachbereichs
Design [Studiengang Mediendesign] an der Fachhochschule Mainz
gestaltet hatten. Die Dokumentation verwendete ausschließlich
Bildmaterial, das aus Aufnahmen von Webcams aus allen Teilen der
Welt gewonnen wurde.
EarthcamPorno-Industrie als Vorreiter
Höchst erfolg- und ertragreich kommen Webcams in der Porno-Industrie zum Einsatz. Sie holen die "Peep-Show" ins Wohnzimmer und fügen ein interaktives Element an.
Es gibt bei Webcams allerdings auch einen Überwachungsaspekt, der noch wenig wahrgenommen wird. Durch technisch immer ausgereiftere Webcams wird fast unmerklich die Tür zur totalen und allgegenwärtigen Überwachung geöffnet.
Auf der CeBIT 2001 wird Traxdata in Kürze erstmals seine "TraxVision BabyCam" vorstellen, ein Videokamera-Set, mit dem sich bis zu vier Kameras über einen gemeinsamen Receiver verbinden lassen.
Das Gerät, das noch im Frühjahr auf den Markt kommen soll, wurde "speziell zur Überwachung von Kinderzimmern entwickelt, um die Nerven der Eltern zu beruhigen", heißt es in der Beschreibung auf der Website von Traxdata.
Mikrofon bereits eingebaut
Nach der Installation werden die Live-Farbbilder vom Kinderzimmer
samt Ton drahtlos auf einen TV-Apparat oder PC übertragen. Die
Reichweite der Kameras wird mit 45 Metern angegeben. Die Kameras
können mittels USB-Schnittstelle auch einzeln am PC angeschlossen
und als Webcams eingesetzt werden. Ein Mikrofon ist bereits
eingebaut. Das Set TCVC09 enthält eine Kamera samt Stativ, einen
Receiver, ein A/V-Kabel, einen Transformator sowie die
entsprechenden Batterien.
Traxvision BabyCam
