06.03.2001

AUSGENAPSTERT

Bildquelle: ORF ON

Wie Napster Songs sperren muss

Ein US-Gericht hat der Internet-Tauschbörse Napster drei Tage Zeit gegeben, alle urheberrechtlich geschützten Musiktitel zu sperren.

Die 72-Stunden-Frist beginnt, sobald Plattenfirmen dem Unternehmen Listen mit den Stücken vorlegen, die nicht mehr frei zugänglich sein sollen, wie Bezirksrichterin Marilyn Hall Patel am Dienstag mitteilte.

RIAA begrüßt Entscheidung

Der Verband der US-Schallplattenindustrie [RIAA] begrüßte die Entscheidung. "Wir sind dankbar, dass das Bezirksgericht so schnell gehandelt hat", sagte die RIAA-Vorsitzende Hilary Rosen.

Napster hatte Ende vergangener Woche angekündigt, mit Hilfe einer eigens entwickelten Filtersoftware rund eine Million Musiktitel sperren zu lassen.

Das Unternehmen will damit eine drohende Schließung abwenden. Bis Montag war ein Großteil der urheberrechtlich geschützten Stücke allerdings noch frei verfügbar.

Das Urteil von Richterin Patel hat Napster freilich keinen neuen Schlag versetzt, sondern fiel für die Musiktauschbörse sogar besser aus als erwartet. Die von vielen befürchtete Anordnung zur Schließung wurde nicht getroffen, Napster hat für einige Zeit Ruhe.

Die Sperre der urheberrechtlich geschützten Songs soll in Zukunft gründlich vonstatten gehen. Auch ähnlich lautende oder mit Tippfehlern versehene Songs müssen demnach gesperrt werden. Die Filter müssen weitgehend wasserdicht sein, will Napster nicht eine weitere Verhandlung riskieren.

Dafür wird die Musikindustrie als Helferlein eingespannt: Sie muss regelmäßig die Songs angeben, die gesperrt werden sollen.

"Neuer Napster" schafft Freunde

Nach Informationen der "Financial Times" ist eine Einigung der großen Firmen mit dem "neuen Napster" nicht ausgeschlossen. Der Chef des französische Mischkonzerns Vivendi, Jean-Marie Messier, habe in London eine Kooperation als vorstellbar bezeichnet. Vivendi kontrolliert die Musikanbieter Universal und Seagram. Das geplante Joint Venture mit Sony, Duet, könnte laut Messier Lizenzen an Napster vergeben, sobald die Tauschbörse ihr kostenpflichtiges Abonnenten-Service verwirklicht habe.