"Gewaltfilter" für die MS-X-Box
Microsofts X-Box wird im Herbst mit einer integrierten Filtervorrichtung auf den Markt kommen, die - ähnlich wie der V-Chip bei Fernsehgeräten - Kinder und Jugendliche vor brutalen und Gewalt verherrlichenden Computerspielen schützen soll.
Derzeit kennzeichnet die US-amerikanische Spieleindustrie auf Grund heftigen öffentlichen Drucks jene Computerspiele freiwillig, die besonders brutale Gewalt- oder Sexszenen enthalten.
Allerdings war ein "Gewaltfilter" noch niemals zuvor integraler Bestandteil einer Spielkonsole. Microsoft will seine X-Box ganz offensichtlich zur "garantiert sauberen" Konsole machen, der Eltern ihre Jugendlichen bedenklos anvertrauen können.
58 Prozent der Spieler sind über 18
Von Nintendo, Sega und Sony liegen bisher keine Reaktionen auf
den Plan Microsofts vor. Doch Arthur Pober, Direktor des
Bewertungsgremiums der US-amerikanischen Spielehersteller [ESRB],
betont: "Wir waren immer dafür, den Eltern möglichst genaue
Informationen über die Produkte zu geben. Die Absicht Microsofts
macht aber deutlich, dass Spielkonsolen keineswegs nur von Kindern,
sondern auch immer mehr von Erwachsenen genutzt werden. Derzeit sind
58 Prozent der Spielkonsolennutzer über 18 Jahre alt."
Entertainment Software Rating Board [ESRB]
V-Chips und Netzfilter selten genutztSpiele werden strenger bewertet als Spielfilme
Bereits seit 1994 bewerten rund 100 repräsentativ ausgewählte Tester - von der Hausfrau bis zum pensionierten Lehrer - im Auftrag der US-amerikanischen Spieleindustrie Videospiele und auch rund drei Viertel der Computerspiele.
Zur großen Enttäuschung vieler Jugendlicher sind die Bewertungen für Video- und Computerspiele wesentlich strenger als vergleichbare Bewertungen für Spielfilme.
Während in jugendfreien Spielfilmen der Gebrauch von Drogen oder harmlose Sexszenen vorkommen können, werden entsprechende Videospiele mit dem Prädikat "Nur für Erwachsene" versehen.
Nintendo lässt grünes Blut spritzen
Auch der japanische Spielehersteller Nintendo wendet für den
US-amerikanischen Markt eigene Richtlinien an. Nicht auf Menschen
wird geschossen, sondern auf Zombies. Und wenn Blut spritzt, dann
ist es grün und nicht rot. Allerdings sind solche Feinabstimmungen
an verschiedene regionale Märkte für die Spieleentwickler recht
aufwendig. Microsofts Zugang wird daher für viele recht attraktiv
sein.
NintendoEin Analyst von Jupiter Research rechnet mit gemischten Reaktionen aus der Spielergemeinde: "Ein Teil der Spieler wird versuchen, den Schutzmechanismus zu hacken. Die anderen werden ihn wohl als kleineres Übel akzeptieren."
Der Krieg der Spielkonsolen
Anfang Jänner hat Bill Gates einen Prototypen der X-Box in Las
Vegas vorgestellt. Die X-Box enthält nach Angaben von Microsoft
einen 733-Megahertz-Prozessor von Intel, 64-MB-RAM, eine
8-GB-Festplatte, ein DVD-Laufwerk und einen Netzwerkanschluss. Die
Leistungskraft ihrer grafischen Darstellung soll jene der
Konkurrenzgeräte gleich um das Dreifache übertreffen.
Bill Gates enthüllt X-Box in Las Vegas
