Kein Bedarf für zentrales Internet-Recht
Die Angst vieler Menschen vor dem Internet als rechtsfreiem Raum ist nach Ansicht eines Experten unbegründet. Für viele juristische Probleme im Internet gebe es bereits Gesetze, sagte der Rechtswissenschaftler Stephan Lorenz in einem dpa-Gespräch.
Dies gelte auch für scheinbar neue Problemstellungen. Ein neues "Cyberlaw" sei deshalb nicht notwendig. Nur für einige internet-spezifische Probleme wie den Schutz von Domain-Namen müssten dringend Regeln entwickelt werden.
Allerdings würden viele rechtliche Probleme nach Ansicht von Lorenz seit dem Aufkommen des Internet sehr viel häufiger auftreten. "Jeder kann über eine eigene Homepage urheberrechtlich geschützte Fotos seines Lieblingsstars ins Netz stellen", sagte der Jurist.
Profunde und umfassende rechtliche Informationen im Internet und zum Thema Internet sind nach wie vor Mangelware im Netz. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist JurPC, eine Internet-Fachzeitschrift für Rechtsinformatik.
Zeitschrift für RechtsinformatikUnübersichtlichkeit macht Rechtsverfolgung schwieriger
Früher seien derartige Verstöße gegen das Urheberrecht etwa in Zeitungen und Zeitschriften einfacher zu entdecken gewesen. Die Unübersichtlichkeit des Internets mache es zwangsläufig schwieriger, Gesetze durchzusetzen.
Für ein zentral angelegtes Internet-Recht seien die Rechtsfragen allerdings zu komplex, meinte Lorenz. Die rechtlichen Regelungen seien über alle Rechtsgebiete verstreut vom Privatrecht über das öffentliche Recht bis hin zum Strafrecht.
"Jedes Gebiet muss sich mit dem Internet befassen." Ein allumfassendes "Cyberlaw" könne die auftretenden Probleme deshalb nicht als Ganzes erfassen, meinte der Jurist.
