Spekulationen um Telekom Austria-Übernahme
Die seit Tagen am Markt bestehenden Gerüchte über einen Eigentümerwechsel bei der börsenotierten Telekom Austria [TA] haben sich am Freitag verdichtet.
Die ÖIAG sei beauftragt, ein weiteres Aktienpaket der Telekom Austria an einen strategischen Investor zu verkaufen, schreibt der "Standard" in Samstag-Ausgabe unter Berufung auf Regierungskreise.
Dabei handle es sich aber nicht um die Telecom Italia [TI], die bereits 29,8 Prozent an der TA hält, sondern um einen neuen, weltweit tätigen Telekomkonzern. Als potenzielle Käufer wurden die Deutsche Telekom und Ameritech genannt.
Da die Telecom Italia gegen den Einstieg eines jeden weiteren Investors aber ein Veto einlegen könne, müsste ein Neueinsteiger die Italiener auskaufen und danach das ganze Unternehmen erwerben, heißt es im Bericht. "Ist mir nicht bekannt", meinte ÖIAG-Chef und TA-Aufsichtsratsvorsitzender Johannes Ditz dazu im "Standard", der zu Eigentümerspekulationen "prinzipiell keinen Kommentar" abgeben will.
TelekomDitz dementiert
Auch der Verkauf eines weiteren Pakets an Telecom Italia sei nicht Gegenstand von Verhandlungen, betonte Ditz. Für Diskussionen bei der TA-Aufsichtsratssitzung am 8. März ist laut "Standard" jedenfalls gesorgt.
In Italien allerdings mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Telecom Italia nicht an einen Ausstieg denke. Im Gegenteil, ein Aufstocken läge durchaus im Interesse von TI, heißt es.
Spekulationen über hohen TI-Anteil
Spekulationen, wonach TI indirekt über Fonds bereits rund 40 Prozent an TA hält, werden von allen Beteiligten dementiert. Ditz wollte dazu - vorgestern von der APA dazu befragt - keinen Kommentar abgeben. Das wäre auch ein Fall für die Börseaufsicht, denn ab 30 Prozent muss TI ein Übernahmeangebot legen.
Für die 47,8 Prozent der ÖIAG einen angemessen Preis zu bekommen, wird nach der Gewinnwarnung vom Jänner nicht einfach, heißt es im "Standard". Denn Analysten bezweifeln, dass die in Umstrukturierung befindliche TA heuer den Turnaround schafft.
Finanzminister Karl-Heinz Grasser bezifferte den Restwert der TA vor wenigen Wochen mit rund 36 Mrd. ATS. Zum Vergleich: Telecom Italia hat 1998 für ein TA-Viertel 27,3 Milliarden bezahlt, die Sperrminorität an der Mobilkom hat rund acht Mrd. ATS gekostet. Ein Übernahmeangebot müsste den Ausgabekurs von neun Euro unbedingt übersteigen, so ein Investmentbanker.
