02.03.2001

... THE LAW WON

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Banges Warten auf Napster-Filter

Mit einer Verzweiflungsaktion möchte Napster einer gerichtlich angeordneten Schließung doch noch entkommen.

Napster will dazu nach eigenen Angaben noch dieses Wochenende eine Filter-Software gegen die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material installieren. Dies hatte Napster-Anwalt David Boies bei einer Anhörung am Freitag vor einem Gericht in San Francisco erklärt.

Am Samstag war von der angekündigten Filter-Software allerdings noch nichts zu bemerken. Über 10.000 User saugten bis weit nach Mitternacht [MEZ] fast 2,5 Millionen MP3s - ohne erkennbare Einschränkungen.

Geteilte Reaktionen

Die Vorsitzende des Verbandes der US-Musikindustrie [RIAA], Hilary Rosen, sagte in einer Reaktion auf die neue Software, man nehme Napster bei seinem Bemühen um den Schutz der Urheberrechte beim Wort. Die Screening-Technik habe das Potenzial, effektiv zu sein, aber man müsse noch abwarten, sagte sie.

Napster habe zum ersten Mal zugegeben, dass es technisch möglich sei, geschützte Titel herauszufiltern, so Rosen weiter. Das habe die Tauschbörse im ersten Verfahren noch geleugnet. "Wir sind bereit zu helfen", bot Rosen an.

Der Industrie-Anwalt Russ Frackman sagte dagegen: "Unserer Meinung nach sollte es in diesem späten Stadium [des Verfahrens] keine Verhandlungen über Formate geben."

Die Anwälte der Musikindustrie hatten Richterin Marilyn Hall Patel während der Verhandlung aufgefordert, Napster sofort schließen zu lassen.

Im Interesse von Konsumenten und Künstlern

Am Freitag lehnte die Plattenindustrie gleichzeitig das Angebot von Napster ab, für die nächsten fünf Jahre eine Milliarde Dollar für eine Zusammenarbeit und die Beilegung des Rechtsstreits zu zahlen. Napster solle Honorare mit den Plattenfirmen einzeln aushandeln, entgegnete Rosen.

Zweifel an Software

Unklar bleibt, welche Auswirkungen ein Filtersystem auf die Beliebtheit von Napster haben würde. Napster hat geltend gemacht, dass die Suche nach verbotenen Titeln das System verlangsamen würde.

Experten gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Anwender ein neues Schlupfloch gefunden hätten. Außerdem gebe es noch immer ähnliche Anbieter, die nicht unter der Kontrolle der Gerichte und Plattenfirmen stünden.

Endgültiges Urteil folgt in Kürze

Richterin Marilyn Hall Patel, die am Freitag die Verhandlung nach zweieinhalb Stunden beendet hatte, ohne einen Termin für ihre Urteilsverkündung zu nennen, kündigte unterdessen an, in Kürze eine überarbeitete Fassung ihrer Verfügung gegen das Unternehmen vorzulegen.

In der ersten Verfügung im Juli hatte die Richterin Napster zur Wahrung der Urheberrechte verpflichtet, was zu einer sofortigen Schließung von Napster geführt hätte. Die Tauschbörse hatte dagegen Berufung eingelegt.

"Wir akzeptieren das", räumte Napster-Anwalt David Boies erstmals die Niederlage ein.