FBI-Doppelagent war Computerfreak
Der Fall des enttarnten mutmaßlichen US-Doppelagenten Robert Philip Hanssen zieht immer weitere Kreise.
Wie erst jetzt bekannt wurde, war Hanssen ein ausgesprochener Computerfreak, der sich auch Zugang zum Dienstcomputer des "top Russian counterintelligence official" beim FBI verschaffte.
Wie die "Washington Post" am Donnerstag unter Berufung auf den ehemaligen Chef des Spions bei der US-Bundespolizei FBI berichtete, hatte Hanssen zu allen Staatsgeheimnissen Zugang. Als stellvertretender Leiter der FBI-Geheimdienstabteilung für die Sowjetunion habe Hanssen alle streng vertraulichen Dokumente des zentralen Geheimdienstes sowie von anderen US-Geheimdienstabteilungen einsehen können, sagte David Major der Zeitung. "Er hatte eigentlich Zugang zu allem: allen Quellen, allen Methoden, allen Zielen, jeder Technik", wird Major zitiert. Es gebe nur wenige Mitarbeiter in der Spionageabwehr, die alles wüssten, aber Hanssen sei einer von ihnen gewesen. Der hochrangige FBI-Beamte war vergangenen Sonntag verhaftet worden, als er geheime Dokumente für einen russischen Spion hinterlegte.
FBI-Erklärung zu Hanssens FestnahmeHanssen war begeisterter Palm-User
Weiters hat sich jetzt herausgestellt, dass Hanssen privaten Internet-Zugang über den Billig-Provider Northern Virginia Internet Access Cooperation hatte. Hanssen war auch ein eifriger Poster in diversen Newsgroups, wobei er mehrere E-Mail-Adressen, darunter hanssen@nova.org und hanssen@orion.clark.net benützte.
Hanssen postete unter anderem in den Newsgroups "comp.sys.laptops", "comp.sys.palmtops.pilot" und "alt.comp.sys.palmtops.pilot".
Die Postings des Vorjahres, die über groups.google.com [vormals DejaNews] abrufbar sind, zeigen Hanssen als begeisterten Palm-User, der neben einem Palm IIIx wahrscheinlich auch PalmPix von Kodak und eine "Garmin GPS unit" besessen und eventuell auch für seine Spionagetätigkeit benützt hat.
"I now have a Palm Vx"
Besonders interessant ist ein Posting vom Valentinstag, das Hanssen an die Newsgroup "alt.comp.sys.palmtops.pilot" richtete. Darin deklarierte sich Hanssen als frischgebackener Besitzer eines Palm Vx - ein Umstand, der im Vernehmungsprotokoll des FBI keine Erwähnung findet. Dort ist nur von einem Palm III die Rede, was in den USA sofort Zweifel an der Effektivität von Carnivore und anderen FBI-Überwachungsmechanismen aufkommen hat lassen. Nachfolgend Hanssens Posting im vollen Wortlaut:
From: Robert P. Hanssen [hanssen@orion.clark.net]
Subject: 3.5 Question
Newsgroups: alt.comp.sys.palmtops.pilot
Date: 2001-02-14 11:52:46 PST
I have a Palm IIIx which I upgraded the OS on to 3.5.2. When I did, I still got the old style menu with no list option. In order to see the programs in the newer style I needed to click on the Applications icon.
I now have a Palm Vx. It showed up of course with the new style of applications selector on first booting. After I synched over my information and applications from the Palm IIIx, however, I now have reverted to the old style selection icon menu as the default.
When I synched I saw a bunch of files get transfered of course and some I didn't recognize which seemed administrative. Obviously, one of these 'updated' my new Vx to the look and feel of the original 3.0 Palm IIIx.
Forderung nach "electronic librarian"
Die Festnahme des FBI-Doppelagenten hatte scharfe Kritik an den internen Sicherheitsbestimmungen der Behörde laut werden lassen.
Der ehemalige FBI-Chef William Webster forderte gestern in einer Reaktion die Einsetzung eines "electronic librarian", dessen Aufgabe es wäre, die elektronische Einsichtnahme in Akten und Datenbestände innerhalb des FBI zu protokollieren und zu überwachen.
