Auf UMTS und ADSL folgt MIMO
Die "4th European Personal Mobile Communications Conference" an der TU Wien gab diese Woche mehr als 200 internationalen Wissenschaftern, Technikern und Ingenieuren die Gelegenheit, gemeinsam über die Zukunft des Mobilfunks nach UMTS zu beraten und neueste Forschungsergebnisse auszutauschen.
Dabei wurde eine neue Technik vorgestellt, bei der mehr als zehnmal schneller Daten übertragen werden als dies bei ADSL heute möglich ist.
Diese neuartige Techniken zeichnet sich dadurch aus, dass die enormen Probleme, die sich beim Mobilfunk stellen - viele, unbekannte Ausbreitungswege der elektromagnetischen Wellen, begrenztes Spektrum, begrenzte Ladekapazität der Akkus - durch mehrere Antennen an der Mobilstation [vulgo "Handy"] bekämpft werden.
MIMO = Multiple Input Multiple Output
Diese Technik, genannt MIMO [Multiple Input Multiple Output],
setzt intelligente Antennen an der Basisstation voraus, die in UMTS
erstmals in größerem Maßstab eingesetzt werden. Im wesentlichen
werden bei dieser Technik mehrere Verbindungen gleichzeitig
bestehen, und die sonst so störenden Streuobjekte auf dem Funkweg
zwischen Basisstation und Handy werden dazu verwendet, voneinander
unabhängige Übertragungswege herzustellen. Über jeden einzelnen Weg
wird man dann soviel übertragen können wie heute zwischen einer
Antenne am Handy und einer Antenne an der Basisstation.
Forschungsabteilung der TU WienInternationale Zusammenarbeit
Dr. Ralf Müller, Wissenschafter am Forschungszentrum Telekommunikation Wien [ftw], hat erstmals ein mathematisch äußerst komplexes Modell der Informationstheorie verwendet, um einfache, aber dennoch exakte Berechnungen der Übertragungskapazität dieser MIMO-Systeme zu gestatten.
Prof. Alister Burr aus York, Großbritannien, sowie Dozent Andreas Molisch von der TU Wien haben, in Kooperation mit AT&T Research in New Jersey, USA, Codierverfahren beschrieben, die für die hohe Übertragungsrate erforderlich sind.
Forschergruppen aus Aalborg in Dänemark, Bristol in Großbritannien, und Ilmenau in Deutschland haben erste Messungen vorgestellt, die diese Vorhersagen bestätigen und die Realisierung von MIMO-Systemen im nächsten Jahrzehnt realistisch und machbar erscheinen lassen.
Forschungszentrum Telekommunikation WienDie "European Personal Mobile Communications Conference" in Wien war bereits die vierte einer Reihe, die zuvor in Bologna, Bonn und Paris abgehalten wurde. Insgesamt waren 222 Delegierte aus 27 europäischen und außereuropäischen Ländern anwesend, die rund 80 Fachvorträge hielten. Die Konferenz wurde vom Hauptsponsor Mobilkom Austria sowie von Ericsson, Motorola, Siemens und Nortel Networks unterstützt.
4th European Personal Mobile Communications ConferenceAuch Bluetooth ein Thema
Andere aktuellle Themen der EPMCC 2001, die gemeinsam vom Österreichischen Verband für Elektrotechnik [ÖVE] und der Technischen Universität [TU] Wien veranstaltet wurde, waren etwa die Selbstorganisation mobiler Teilnehmer zu sogenannten Ad hoc-Netzen oder die Vernetzung vieler Gegenstände des täglichen Lebens durch Bluetooth, die kurzreichweitige Funkverbindung.
Auch UMTS war selbstverständlich ein Thema. Zu seiner klaglosen Funktion sind aber noch eine Reihe von technischen Verfeinerungen notwendig, die bei der EPMCC in Wien von den Telekommunikations-Ingenieuren, den "Pionieren des 21. Jahrhunderts", vorgestellt wurden.
TU WienDie Mobilkommunikation ist der am raschesten wachsende Zweig der Wirtschaft. Europa hat sich hier durch die frühzeitige Einführung des digitalen Standards GSM weltweit einen klaren Vorsprung verschafft - GSM wird heute in mehr Ländern angeboten als Coca-Cola.
GSMWorld
