23.02.2001

KONTER

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Napster-Kopierschutz "technischer Blödsinn"

Nach der Vorstellung des neuen Geschäftsmodells für die Musiktauschbörse Napster werden unter Computerexperten Zweifel laut, dass sich die Weiterverbreitung von getauschten Liedern wirksam verhindern lässt.

"Technisch ist das Blödsinn", kommentiert der Sprecher der Hacker-Vereinigung Chaos Computer Club [CCC], Andy Müller-Maguhn, das Verfahren. Schließlich habe das Kopieren von Software auch nicht verhindert werden können.

Ein Song müsse trotz aller Sicherungsmaßnahmen irgendwo im System unverschlüsselt vorliegen, denn sonst könne man ihn nicht anhören, sagte Müller-Maguhn.

Napster wird automatisch verschlüsselt

Bertelsmann will Napster als strategischen Partner in ein kostenpflichtiges Angebot umwandeln, an dem sich neben der Bertelsmann Music Group [BMG] auch andere Musikunternehmen beteiligen können.

Nach Angaben von DWS, die das System für Napster entwickeln, werden die Musikdateien in Zukunft automatisch verschlüsselt, wenn sie von einem Napster-Mitglied zu einem anderen übertragen werden.

Es sei etwa denkbar, dass eine Datei nur angehört und nicht weiter kopiert werden dürfe, teilte das Unternehmen weiter mit.

"Das Zeitalter der Kontrolle ist vorbei"

Abgespielt könne die Datei dann nur mit Napster oder mit anderen speziell auf Napster zugeschnittenen MP3-Playern werden.

"Welche Restriktionen in Kraft treten, bestimmt Napster", erklärte DWS-Chef Butting der Nachrichtenagentur Reuters.

CCC-Sprecher Müller-Maguhn glaubt, dass sich die Musikindustrie auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen machen muss. "Das Zeitalter der Kontrolle ist vorbei", sagte Müller-Maguhn. "Bits lassen sich nun einmal kopieren. Ein Computer ist eine Datenverarbeitungsmaschine, keine Datengeheimhaltungsmaschine."