19.02.2001

FOOD ON A CHIP

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Digitale Codes auf Lebensmitteln

Große IT-Konzerne arbeiten derzeit mit einer Vielzahl von Unternehmen zusammen, um gemeinsam eine Möglichkeit zur elektronischen Markierung von Konsumgütern zu finden.

Die Anforderungen: Die Chips müssen so billig sein, dass sie pro Produkt weniger als zehn bis fünfzehn Groschen kosten. In fünf bis zehn Jahren, so die Hoffnung der Industrie, werde die Technologie ausgereift sein.

Im kleinen Rahmen bereits üblich

Derartige Anhängsel - so genannte "radio frequency identification tags" - sind bereits zur Markierung teurerer Produkte im Einsatz. Zusammen mit einer eingeschweißten Mini-Antenne sind sie beispielsweise im CD-Verkauf oder bei der elektronischen Mautabrechnung üblich.

Kosten müssen gesenkt werden

Derzeit stellen sich allerdings zwei Hauptprobleme - erstens die vergleichsweise hohen Kosten, zweitens die limitierte Abtastreichweite.

Unternehmen wie Sun Microsystems, Motorola und Texas Instruments versuchen derzeit die Möglichkeiten elektronischer Auszeichnungen zu verbessern. In einigen Jahren, so die Theorie, soll beispielsweise eine Mineralwasserflasche das Werk mit einem Chip verlassen und auf seinem Weg zum Händler an gewissen Stationen abgescannt werden.

Komplettes Tracking vom Werk zum Müll

Wenn die Flasche den Supermarkt verlässt, liefert das Werk eine neue nach. Beim Recyclingwerk schließlich gibt sich die Flasche als Glas zu erkennen und wird richtig sortiert und wieder verwertet.

Weniger Verluste durch Diebstahl

Die Hersteller wollen die Milliardenverluste, die durch Diebstahl oder Verlust entstehen, mit der Chip-Methode eindämmen. In einer Branche, wo kaum mehr Wachstum möglich ist, sind derartige Maßnahmen von erheblicher Bedeutung.

Der Großteil der derzeit verfügbaren Waren-Chips arbeitet nach dem Prinzip der induktiven "Abtastung". Ein Signal wird ausgestrahlt, von der Antenne des Chips empfangen, in Energie umgewandelt und mitsamt einem Code wieder ausgestrahlt.

Doch die Kosten liegen derzeit bei rund 15 ATS pro Chip, was diese Methode noch zu teuer macht, um sie wirklich bei jedem Artikel zu realisieren.

Chips zu einer Datenbank vernetzt

Man konzentriert sich vor allem darauf, wie die durch Millionen von Scannern abgelesenen Daten zu einer riesigen Datenbank zusammengefasst werden und so exakte Auswertungen liefern können. Die Daten sollen via Internet hereinschneien, da davon ausgegangen wird, dass künftig alle möglichen Haushaltsgeräte ans Netz angeschlossen werden.

Das ruft freilich die Datenschützer auf den Plan. "Stellen Sie sich eine Pizza mit Chip vor, die in einen Mikrowellenherd mit Internet-Anschluss geschoben wird. Werden dann die Informationen, wo und welche Pizza gekauft wurde, an den Hersteller übermittelt?" fragt sich etwa das Center for Democracy and Technology in Washington, DC.

Kein direktes Eindringen

Die Horrorvision, Unternehmen könnten direkt per Funk den Bestand beliebiger Haushalte abfragen, kann sich freilich nach dem heutigen Stand der Technik nicht bewahrheiten. Die Chip-Systeme funktionieren höchstens auf eine Entfernung von wenigen Metern und können dicke Mauern nicht durchdringen.