Eingeschränkte Nutzung bei Napster
Napster-User müssen schon bald mit Einschränkungen leben. Napster-Chef Hank Barry teilte gestern Abend in Kalifornien mit, dass das Unternehmen zusammen mit dem Bertelsmann-Konzern eine neue Technologie einführe.
Mit der von den beiden Firmen erarbeiteten Lösung wird Napsters Peer-to-Peer-Struktur aufrechterhalten werden. Sie erlaube zwar weiterhin einen Austausch und das Herunterladen von Musiktiteln aus dem Internet, doch könne sie verhindern, dass die Songs anschließend auf CDs gebrannt werden.
Technische Details der neuen Technologie wollten Napster und Bertelsmann noch nicht bekannt geben. Nur soviel: Sie wird den Austausch von MP3-Dateien erlauben, wobei der Datei beim Transfer von einem Napster-Nutzer zum anderen eine Art Sicherungselement hinzugefügt wird. Die Napster-Benutzersoftware wird zur Unterstützung dieser Schutzfunktion erweitert. Die Lösung wird keine bereits bestehende Mehrzweck-DRM ["multi-purpose DRM"] verwenden, sondern eine völlig neue Sicherheits-Architektur, die spezifisch auf die Anforderungen des File-Sharing zugeschnitten ist.
Software made in Germany
Entwickelt werde die neue Technologie von der Bertelsmann-Tochter Digital World Service [DWS], die Digital Rights Management [DRM]-Lösungen und -Dienstleistungen zum Schutz von Urheberrechten entwickelt und anbietet.
Digital World Service soll die Technologie zur sicheren Verwaltung von im Filesharing-Verfahren getauschten Musik-Dateien bei Napster auch implementieren.
Johann Butting, CEO von Digital World Services, sagte: "Die erfolgreiche Kombination aus Napsters phantastischer Benutzerfreundlichkeit und Beliebtheit und einer IT-Architektur, welche die Bedürfnisse der Rechte-Inhaber berücksichtigt, ist ein wesentlicher Schritt zur sicheren Übertragung von Inhalten über das Internet."
Digital World ServiceÜbereinkunft mit Musikfirmen
Napster und Bertelsmann bezeichneten die gestern vorgestellte Technologie als "entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Etablierung eines neuen, auf Mitgliedschaft basierenden Geschäftsmodells."
Napster-Chef Barry sprach auch von einem neuen Beweis dafür, dass Napster sich ernsthaft bemühe, eine Übereinkunft mit den Musikfirmen zu erreichen. Barry hob erneut hervor, dass Napster so bald wie möglich einen auf Mitgliedschaft basierten Dienst einführen wolle.
Die Ankündigung erfolgte nur einige Tage nach dem Urteil eines US-Gerichts, das den künftigen Stopp des Tauschs urheberrechtlich geschützter Lieder verfügte. Napster entging damit zwar einer Abschaltung, muss aber in Zukunft seine Server nach urheberrechlich geschützten Titeln durchsuchen und deren freien Tausch verhindern.
"Best Music Site" und "Best Guerilla Marketing"
Napster wurde 1999 von Shawn Fanning, damals noch 18-jähriger
Student im ersten Semester an der Northeastern University in Boston,
gegründet. Im Oktober 2000 gaben Bertelsmann und Napster die Bildung
einer strategischen Allianz bekannt, mit dem Ziel, den
P2P-File-Sharing-Service von Napster weiter zu entwickeln und in ein
kostenpflichtiges Angebot umzuwandeln. Im Januar 2001 traten auch
edel Music und TVT Records dieser Allianz bei. In diesem Jahr hat
Napster bereits mehrere "Wired Magazine Readers Rave Awards"
gewonnen, darunter "Best Music Site", "Best Innovative Start-up" und
"Best Guerilla Marketing". Zurzeit hat Napster eigenen Angaben
zufolge rund 50 Millionen Nutzer.
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